Emilia-Romagna Rundreise für Genießer: Bologna, die Bassa und Modena
Zuletzt aktualisiert im September 2026.
Bologna, Brescello, Zibello, Modena | 5 Stationen einer Genussreise, recherchiert von Wein- und Genussautorin Monika Kellermann | Culatello-Keller der Antica Corte Pallavicina | Lambrusco-Verkostung im Weingut Paltrinieri | für Genießer, Weinfreunde und Kulturreisende | Emilia-Romagna | Italien
Die Emilia-Romagna setzt sich aus zwei Landesteilen zusammen, die 1947 zu einer Region zusammengelegt wurden. Bologna, die Hauptstadt, liegt exakt an der historischen Trennlinie.
Die Romagna erstreckt sich auf sanften Hügeln hin zum Meer, die Emilia ist berühmt für eine florierende Landwirtschaft, weltberühmte kulinarische Köstlichkeiten wie Parmaschinken, Parmigiano Reggiano, Aceto Balsamico und geschichtsträchtige Städte.







Zugegeben, eine Fahrt übers Land ist kein Wow-Erlebnis, aber es lohnt sich, in den Trattorien der kleinen Dörfer einzukehren. Zu Recht wird die Emilia der Bauch Italiens genannt und genau deshalb ist es DAS Reiseziel für Genießer. Begleiten Sie mich auf meiner kulinarisch und kulturell geprägten Reise durch die Emilia-Romagna.
Diese Reise bleibt in der Emilia, westlich und nördlich von Bologna. Den Unterschied zwischen Emilia und Romagna habe ich im Beitrag Santarcangelo di Romagna beschrieben.
Dies ist einer von verschiedenen Beinamen, den man der Hauptstadt der Emilia-Romagna verleiht. Im 12. und 13. Jahrhundert ragten nämlich in Bologna über 100 Geschlechtertürme in den Himmel, lediglich 23 sind heute noch vorhanden. Die berühmtesten Türme sind zugleich das Wahrzeichen der Stadt: der Torre degli Asinelli mit 97 Meter Höhe und der Torre Garisenda mit 48 Meter stehen inmitten der Altstadt.
Die beiden Türme neigen sich zueinander und sind ein beliebtes Fotomotiv. Besteigen kann man sie derzeit nicht: Seit Oktober 2023 wird der Garisenda gesichert, seitdem ist auch der Asinelli für Besucher geschlossen, und ein Wiedereröffnungstermin steht bis heute nicht fest.

Für eine Stadtbesichtigung sind die rund 38 Kilometer Arkaden (portici) ein Vorteil, denn so kann man auch bei Regen oder bei prallem Sonnenschein auf angenehme Weise die Stadt erkunden. Allein der Portikus hinauf nach San Luca zählt 666 Bögen.
Ein weiterer Spitzname der Stadt ist La dotta, die Gelehrte, und das bezieht sich auf die älteste Universität Europas, wo zigtausende von Studenten aus aller Welt studieren. Diese vielen Studenten verleihen La rossa, der roten Stadt, eine fröhliche Lebendigkeit. La rossa ist für jeden gleich nachvollziehbar, denn die Dächer und Fassaden der Palazzi und Stadthäuser sind rot oder terrakottafarbig und leuchten besonders intensiv bei Sonnenlicht. Manche beziehen La rossa auch auf die 46-jährige kommunistische Verwaltung der Stadt, von 1945 bis 1991.



Das centro storico, beginnend bei der Piazza Maggiore, dem Wohnzimmer Bolognas, lädt zum Flanieren ein. Umgeben ist die Piazza von mittelalterlichen Palazzi, wobei speziell der Palazzo del Podestà aus dem 12. Jahrhundert, einst Regierungssitz, hervorsticht. Größer noch ist die Basilica di San Petronio, die auch die Unvollendete genannt wird, wegen der nicht fertiggestellten Fassade. Geplant war, sie größer zu bauen als die Peterskirche in Rom, aber dann strich der Papst die finanziellen Mittel und so blieb die Fassade unvollendet. Dennoch zählt die Basilika zu den größten Gotteshäusern weltweit.
Ein echter Hingucker ist auch der Neptunbrunnen auf der Piazza Nettuno in der Altstadt, der von Sirenen und Delphinen umringt ist. Ganz in der Nähe befindet sich die Kathedrale San Pietro, die zwar im 10. Jahrhundert erbaut, aber durch Brände immer wieder zerstört und immer wieder aufgebaut wurde, zuletzt im Barockstil.



Weshalb Bologna auch La grassa, die Fette, genannt wird, merkt man spätestens beim Anblick der vielen Feinkostläden und insbesondere im Mercato di Mezzo, den Markthallen, die überquellen von allem, was Genießerherzen höher schlagen lässt. Und dann darf man Bologna nicht verlassen, ohne in einer der zahllosen Trattorien oder Ristoranti zu speisen.





Das Risiko, schlecht zu essen, ist in Bologna gering, bestellen Sie aber niemals Spaghetti Bolognese, die gibt es nämlich in keinem Lokal. Es ist eine total verfälschte Version der klassischen Tagliatelle al Ragù, Bandnudeln mit cremiger Hackfleischsoße, die nur an Eiernudeln so richtig haftet und keineswegs an Spaghetti - lesen Sie hier unser Originalrezept für Ragù alla Bolognese.
Ergänzung von Charmingplaces-Gründerin Anja Fischer: Von Bologna sind es dreißig Zugminuten nach Ferrara, wo das Stadthotel Casa D’Este direkt gegenüber dem Castello Estense liegt - ein guter Ausgangspunkt, wenn Sie die Emilia ohne Auto bereisen wollen.
Im Flachland im nördlichen Teil der Emilia, dort wo weite Felder, der träge dahinfließende Po und eine kulinarische Tradition das Leben der Menschen prägen, liegt das Dorf Brescello, wo 1951 der erste Film über Don Camillo und Peppone gedreht wurde. Die Geschichte über den Kleinkrieg zwischen dem Dorfpriester und dem kommunistischen Bürgermeister wurde so erfolgreich, dass bis 1965 vier weitere Filme in Brescello gedreht wurden.



Bis heute ist das Filmdorf Brescello Ziel tausender Fans dieser beliebten Filme des vergangenen Jahrhunderts. Seit dem 50-jährigen Jubiläum des ersten Films stehen die beiden Filmhelden – Fernandel und Gino Cervi – als lebensgroße Bronzestatuen auf dem weitläufigen Marktplatz, jeder vor seiner Wirkungsstätte.
Bei einem Bummel durch das Städtchen findet man die verschiedenen Schauplätze, wie die Lieblingsbars der zwei Kontrahenten und ihre bevorzugten Restaurants. Im «La Bottega», damals ein Geschäft, heute ein Restaurant, pflastern hunderte von Filmbildern die Wand. Ebenso beliebt ist die schmackhafte Küche der «Locanda Guareschi», benannt nach dem politischen Journalisten, der mit seinen humoristischen Geschichten in der Zeitschrift Candido die Vorlage für die Filme gab.



Wer sich intensiver mit der Geschichte um Don Camillo und Peppone beschäftigen möchte, sollte unbedingt das kleine Museum in Brescello besuchen. Nach einem Besuch der Kirche empfiehlt es sich, in einem der Ristoranti zu speisen. Fast alle der herzhaften Gerichte, die aufgetischt werden, sind nach Don Camillo oder Peppone benannt und alle aus besten Grundzutaten der Bassa, nicht kalorienarm, aber mit einem Glas Lambrusco absolut gut bekömmlich.
Unweit von Brescello, entlang des Po, dort wo man oftmals vor Nebel nicht die Hand vor den Augen sieht, liegt ein wahres Feinschmeckerparadies, der Gutshof Antica Corte Pallavicina. Das ehemalige Castello wurde um 1400 von den Marchesi Pallavicino erbaut und im 17. Jahrhundert in ein Landgut umgewandelt. 1905 pachtete der Großvater der jetzigen Betreiber Massimo und Luciano Spigaroli den Hof.

2009 besuchte ich dieses Landgut und nie habe ich diesen riesigen, feuchten Keller vergessen, wo unzählige Culatello-Schinken an der Decke hängen, um ihr Aroma zu entwickeln. Protagonisten für diese unvergleichlich köstlichen Schinken sind die schwarzen Schweine, die Nera Parmigiana, die sich auf den Weiden und in den Pappelwäldern am Ufer des Flusses Po wohlfühlen. Culatello heißt das fachmännisch herausgeschnittene Herzstück der Schweinekeule.

In der Antica Corte Pallavicina gibt es die Möglichkeit – nach Anmeldung – Führungen mit Verkostungen zu machen, man kann aber auch nur in der Hosteria traditionelle Gerichte und natürlich Culatello & Co. speisen oder, wenn man mehr Zeit mitbringt, im Ristorante Al Cavallino Bianco die exquisite Küche von Massimo Spigaroli genießen, die mit einem Michelin-Stern gekrönt ist. Für echte Feinschmecker ein Schlaraffenland der besonderen Art.


Nebenbei bemerkt, im Gutshof ist auch ein Hotel mit zwölf Zimmern integriert. Bei den kulinarischen Erlebnissen, die man am besten mit Lambrusco genießt, sicherlich eine gute Empfehlung.
Die eindrucksvolle Verbindung von Geschichte, Kunst, Kulinarik, Musik und Automobil-Ikonen macht Modena zu einer Stadt für sich - und zeigt, dass sich Tradition und Innovation harmonisch ergänzen. Das Zentrum Modenas ist eindeutig seiner Vergangenheit gewidmet. Die Kathedrale, der Torre Civica (Ghirlandina) und die Piazza Grande gehören seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe und erinnern an eine Zeit, in der religiöses Leben, Architektur und Kunst eine nachhaltige Macht ausübten.
Die Bögen der Kathedrale, die Sandsteine der Ghirlandina und die Piazza Grande, die das Stadtvolk seit Jahrhunderten zusammenhält, vermitteln, dass hier Formkunst und Gemeinschaftsgefühl stets hochgehalten wurden. Wenn man durch die engen Gassen spaziert, spürt man auch heute noch einerseits die Schwere und gleichzeitig die Leichtigkeit der Stadtgeschichte.




Nur wenige Kilometer außerhalb der historischen Altstadt, in der Nähe der Wurzeln der italienischen Motorsport-Kultur, liegt das Enzo Ferrari Museum. Das Museum feiert Enzo Ferrari, den Gründer des Hauses Ferrari, mit einer Ausstellung, die Technik, Design und Leidenschaft miteinander verknüpft. Besucher erleben neben seltenen Sammlerfahrzeugen auch die Geschichte einer Marke, die von Modena aus Autoliebhaber weltweit begeistert.

Modena ist aber auch die Stadt von Luciano Pavarotti, einer der größten tenoralen Stimmen der Operngeschichte. Sein Wirken ist überall in der Stadt spürbar: Bilder, Erinnerungen und Musik begleiten interaktive Ausstellungen, Gedenkorte und regelmäßige Veranstaltungen. Pavarotti wurde in Modena geboren und blieb stets eng mit seiner Heimat verbunden. Bis heute ist die Stadt eine musikalische Inspiration für Musikerinnen, Musiker und alle Besucher der Stadt.

Wie ein roter Faden zieht sich die Kulinarik, der Pavarotti so zugetan war, durch die Stadt. Es gibt viele sehr empfehlenswerte Trattorien mit einer authentischen Küche, aber die konzentrierten Genüsse der Emilia findet man im historischen Mercato Storico Albinelli, der gerne auch liebevoll «il cuore di Modena» genannt wird.
Der im Jugendstil erbaute Markt wurde 1931 eröffnet und 1990 zum Denkmal nationaler Bedeutung erhoben. Sie sollten nicht versäumen, ihn zu besuchen und sich an den appetitanregenden Ständen zu erfreuen. Hier verlockt eine Vielfalt an Köstlichkeiten wie zum Beispiel Gnocco fritto, kleine knusprig frittierte Teigstücke, die man mit den Schinkenspezialitäten der Emilia und mit einem prickelnden Glas Lambrusco genießt.



«Die» Adresse für Eisliebhaber ist in Modena die Gelateria Bloom, die weit über die Stadtgrenze hinaus geschätzt wird für handwerklich hergestellte natürliche Blütensorbets. Die Sorbets und viele weitere eisgekühlte Spezialitäten gibt es in der Piazza Mazzini in der Altstadt.
Modena ist zudem das Epizentrum der modernen Haute Cuisine, denn die Osteria Francescana von Massimo Bottura ist mit drei Michelinsternen ausgezeichnet, der als einer der visionärsten Köche unserer Zeit gilt. Wer dort speisen möchte, muss rechtzeitig buchen, am besten schon lange vor dem Urlaub, und den Besuch ins Urlaubsbudget einplanen.

Neben Genuss, Kunst und Geschwindigkeit ist Modena auch die Heimat des Aceto Balsamico di Modena, ein Produkt, das weltweit für seine tiefgründige Aromatik, Süße und Komplexität geschätzt wird. Es ist der Genuss einer langwierigen, behutsamen Reifung, und wer mehr dazu erfahren möchte, besucht am besten die Acetaia Villa San Donnino vor den Toren der Stadt.
Sie ist eine der kleinen Acetaie rund um Modena, die sich auf die Herstellung des echten Aceto Balsamico tradizionale spezialisiert haben. In einer Jugendstilvilla von 1910, inmitten eines prachtvollen Parks, reifen die Balsamico tradizionale auf dem Dachboden des Wirtschaftsgebäudes.



Weshalb die Essige auf dem Dachboden reifen und nicht in einem Keller, erklärt Davide Lonardi, der Besitzer, den Besuchern so: «Im Winter ist es auf dem Dachboden kalt und die Vergärung wird dadurch gestoppt. Im Sommer kommt sie dank der Wärme rasch wieder in Schwung, und so ziehen sich diese Warm- und Kaltphasen über Jahrzehnte hin und verleihen dem Essig seinen einzigartigen Charakter.»
Er erklärt auch, dass dieses hochwertige Produkt viel Zeit und Leidenschaft benötigt, denn um einen Liter Aceto Balsamico tradizionale DOP herzustellen, braucht man 300 bis 400 Liter Traubenmost und zwölf Jahre Geduld. Für Menschen, die sich für hochwertigen Genuss interessieren, eine empfehlenswerte Adresse.
Immer noch lehnen viele dankend ab, wenn ihnen ein Lambrusco angeboten wird. Erinnerungen an die süßlichen, billigen Italo-Prickler der 60er und 70er Jahre werden wach. In den letzten Jahrzehnten hat sich aber vieles zum Guten geändert. Heute entstehen im Herzen der Emilia – zwischen den Flüssen Secchia und Panaro – authentische, facettenreiche Weine, die Menschen in fröhlicher Runde zusammenbringen.

Kein Wein ist so untrennbar mit Essen verbunden, denn seine Spritzigkeit und die sanften Tannine helfen, fettige Speisen besser zu verdauen, und der moderate Alkoholgehalt verlockt dazu, nicht nur ein Glas zu trinken.
Drei Rebsorten spielen heute für die Lambrusco-DOC-Weine eine Rolle:
Unweit von Modena, im Herzen des Sorbara-Anbaugebiets, erzeugt Alberto Paltrinieri in der vierten Generation Wein, naturalmente vorwiegend aus der Rebsorte Sorbara. Dieses Jahr feiert das Familienweingut sein 100-jähriges Bestehen.



Das 17 Hektar große Weingut ist bio-zertifiziert, und seine Weine, vorwiegend aus der Sorbara-Rebe, sind zartrosa, fast zwiebelschalenfarbig und erfreuen den Gaumen mit einer angenehmen Säure, wenig Bitterstoffen und Eleganz.
Acht verschiedene Lambruschi kann man im hübschen Weingut verkosten, und so mancher Weinliebhaber wird überrascht sein, wie finessenreich sich die Traditionsweine präsentieren. Das Flaggschiff «Lambrusco di Sorbara DOC Leclisse» ist seit zehn Jahren mit den Drei Gläsern bei Gambero Rosso gekrönt.
Mein Favorit ist der «LaRiserva» mit feinen Aromen von Grapefruit und Rhabarber und der «Grosso», der zwölf Monate auf der Hefe und anschließend noch sechs Monate auf der Flasche reift. Ein interessantes und genussvolles Erlebnis für neugierige Weinfreunde.

Weil man Lambrusco am besten mit guten typischen Speisen der Emilia genießt, ist die Slowfood-Trattoria Entrà in Finale Emilia eine gute Empfehlung. Seit 1960 begeistert die familiengeführte Trattoria mit ihrer traditionsreichen, köstlichen Küche die Gäste, und die Weinkarte bietet die dazu passenden Tröpfchen.
Ergänzung von Charmingplaces-Gründerin Anja Fischer: Wer die Emilia von einem festen Standort aus erkunden möchte, wohnt gut in der Luxusvilla La Personala bei Mirandola - zwanzig Kilometer von Finale Emilia entfernt, mitten in der Bassa.


Monika Kellermann
Wein & Genuss - Autorin
Monika Kellermann schreibt nicht nur seit vielen Jahren in Artikeln und Büchern über Wein und Genuss. Die Autorin ist auch Expertin für italienischen Lebensstil und kennt die Region rund um den Gardasee besonders gut, da sie dort neben München ihre zweite Heimat gefunden hat.
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