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Weingut Valtellina: Die Weine aus dem noblen Valtellina-Tal sind mittlerweile unter Kennern heißbegehrt

Am Ufer des Comer Sees wächst nur wenig Wein. Zu den traditionellen Anbaugebieten zählt seit jeher die Gegend von Domaso. Im Ortsteil Pozzolo, auf einer Sonnenterrasse oberhalb von Domaso befinden sich die zwei einzigen Weinkellereien des Lago di Como.

Deutlich mehr Weinbau (nämlich auf fast 1100 Hektar) wird auf der Seite der Schweiz im Anbaugebiet Ticino zwischen dem Comer See und Bellinzona betrieben.

Man unterteilt die Tessiner Anbaugebiete in zwei Unterregionen: die nördliche Zone, das Sopraceneri, umfasst den bedeutenden Bereich von Bellinzona bis zum Lago Maggiore, sowie die teilweise bis hoch in die Alpen reichenden Gebirgstäler. Die Hauptorte des südlich gelegenen Sottoceneri sind Chiasso, Lugano und Mendrisio. Dank der südlichen Lage sind im Tessin fast 90 Prozent der Rebfläche mit Merlot bestockt.

Das Valtellina

Auf der italienischen Seeseite, am Nordzipfel des Lago di Como, biegt ein pittoreskes Tal schnurgerade Richtung Osten ab. Das Valtellina-Tal erfreut sich großer Beliebtheit, nicht nur bei Skifahrern oder Kletterbegeisterten.

Der 114 km lange Sentiero Valtellina folgt dem Verlauf der Adda von Colico bis nach Bormio und wird gleichermaßen von Radlern und Wanderern geschätzt. Auch Weinbegeisterte kommen in diesem Teil der Lombardei voll auf ihre Kosten.

An den Südhängen rund um das Örtchen Sondrio kultivieren knapp 50 Betriebe die Rebsorte Nebbiolo. Nebbiolo, hier im Valtellina unter dem Synonym “Chiavennasca” bekannt, ist die Leitsorte im Piemont und dort reinsortig für die DOCG-Weine aus Barolo, Barbaresco oder Gattinara obligatorisch und weltberühmt.

Die häufig deutlich günstigeren Nebbiolo-Varietäten aus dem Tal der Adda sind hingegen nur eingefleischten Weinliebhabern bekannt.

Die Weine des Tals

Das Herzstück des Valtellina-Tals bei Sondrio bildet die Herkunft der noblen Valtellina Superiore-Weine. Die Rebflächen der DOCG erinnern an die Steilhänge der Mosel oder die Socalcos-Terrassen im portugiesischen Douro-Tal.

Die Arbeit im Weinberg erfolgt größtenteils manuell und zur Ernte werden immer wieder medienwirksam Helikopter mit dem Abtransport des Lesematerials beauftragt. Die DOCG Valtellina Superiore unterteilt sich in fünf Subzonen: Inferno, Grumello, Valgella, Maroggia und Sassella.

Ein Weingut, das sich qualitativ immer etwas abhebt und auch international seit Jahren auf sich aufmerksam macht, ist das Weingut ARPEPE aus Sondrio. Es wurde im Jahre 1860 gegründet und 1984 von Arturo Pelizzatti Perego unter dem davon abgeleiteten heutigen Namen wiederbelebt.

Heute wird es in fünfter Familiengeneration von den drei Geschwistern Isabella, Emanuele und Guido Pelizzatti Perego geführt. Die Weinberge umfassen 15 Hektar in den drei Unterbereichen Grumello, Sassella und Inferno. Jährlich werden rund 100.000 Flaschen Wein erzeugt, davon gehen 60% in den Export.

Die Weine sind mittlerweile unter Kennern heißbegehrt und dementsprechend etwas schwieriger zu finden. Wir haben dennoch exemplarisch den 2011er Valtellina Superiore Grumello DOCG Riserva aus der Einzellage „Rocca de Piro“ für sie verkostet.

Verkostung 2011er Valtellina Superiore Grumello DOCG Riserva

Der reinsortige Nebbiolo ist klar und von hellem Granatrot mit wässrigem Rand und dezent orangenen Reflexen. Die Schlierenbildung ist deutlich wahrnehmbar.

Die Nase ist sauber und von ausgeprägter Intensität. Erste Anzeichen von Reife sind nicht zu leugnen. Zunächst kokettiert der „Rocca de Piro“ mit fruchtigen Aromen von Schattenmorelle, reifer Pflaume und Granatapfel. Balsamische und würzige Noten von Tabak, Zedernholz und vegetalen Anklängen sind ebenfalls vorhanden.

Nach etwas Zeit im Glas machen sich tertiäre Komponenten breit: getrocknete Steinpilze, eingekochte Beeren und Leder versuchen das komplexe Geruchsbild zu dominieren. Die Entwicklung im Glas ist äußerst interessant und spannend zu verfolgen.

Am Gaumen ist der Wein trocken, mit stützendem Säuregerüst und geschliffener, präziser Tanninstruktur. Der mittelgewichtige Körper wird von Frische getragen, die filigranen Gerbstoffe tragen Ihren Teil dazu bei, die Trinkfreude konstant aufrecht zu halten. Die Geschmackskomponenten erinnern im ersten Moment an Angostura und kandierte Orangenzesten, aber auch würzige Aromen von weißem Pfeffer und Pilz-Jus sind bemerkbar. Der Abgang ist lang.

Der „Rocco de Piro“ ist von ausgezeichneter Qualität, verfügt über Länge, Balance, Komplexität und Tiefgang. Der Wein ist derzeit auf seinem Höhepunkt, wird aber sicher noch einige Jahre auf diesem Niveau Spaß bereiten.

Eine regionale Speiseanpassung wäre hier die bekannte „Bresaola della Valtellina“ oder der Ziegen-Rohschinken aus Sondrio „Violino di Capra“.

Aufgrund der Reifenoten des verkosteten Weins könnten aber auch „Pizzoccheri della Valtellina“ zum Zuge kommen. Die schwarzen Bandnudeln, die mit Wirsing und Kartoffeln gekocht und mit Almbutter, Käse und ordentlich Pfeffer serviert werden, sind ein kulinarisches Heiligtum der Region und immer eine Versuchung wert.

Das Weingut ARPEPE besuchen?

Das Weingut ARPEPE kann nach telefonischer Absprache besucht werden. Eine geführte Weinbergswanderung samt Verkostung dauert circa zwei Stunden und kann online gebucht werden.

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