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Versilia: Die andere Toskana

Geheimtipps Versilia

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Statt langer Hügel, Zypressen und steinernen Bauernhäusern blicken wir auf eine breit geteerte Promenade. Links verschnörkelte Fassaden in Pastelltönen, rechts geleiten hohe Palmen den Weg zum Meer. Ein prüfender Blick in Google Maps bestätigt, dass hier keine Verwechslung vorliegt. Viareggio gehört zur Region Toskana, genauer gesagt zur Versilia.

Der Küstenabschnitt, genannt Versilia, grenzt direkt an den östlichen Teil Liguriens, welcher die Cinque Terre, die steil gebauten bunten Dörfer, beherbergt. Statt Felsformationen zeichnet sich die Küste der Toskana aber durch lange, breite, feinsandige Strände aus, die sich im Sommer zu einem bunten Spektakel der italienischen Badekultur verwandelt. Zwischen den Liegen, die jeden Tag in Reih und Glied auf ihre Gäste warten, spielt sich die ganze Dramaturgie heimischer Urlauber*innen ab. Alles vor der Kulisse pittoresker Jugendstilfassaden, die ein Florentiner Künstler namens Galileo Chini entwarf, der unter anderem das Bühnenbild für Puccinis Opern gestaltete. Als hätte er geahnt, dass die Liebeleien, die wichtigen Geschäfte, die kleinen und großen Familiendramen und kulturellen Gepflogenheiten verschiedener Nationen eine entsprechende Bühne brauchen.

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In den Bagnos, besonders in Viareggio oder Forte dei Marmi, will niemand gemütlich sonnenbaden, sondern sehen und gesehen werden. Das Flanieren in den Badeorten, ein gesellschaftliches Ereignis, das über Generationen hinweg zelebriert wurde und immer noch wird. Bereits in den 20er Jahren schreibt Thomas Mann über Viareggio: „Es wimmelt von zeterndem, zankendem, jauchzendem Badevolk, dem eine wie toll herabbrennende Sonne die Haut von den Nacken schält.“ Bilder, die in dem Schriftsteller so lange nachklingen, dass sein Aufenthalt an der Versilia Küste als Vorlage für die Novelle Mario und der Zauberer dient, die Thomas Mann erst ein paar Jahre später, 1930, in einem Ostseebad niederschreibt.

Gut ein Jahrhundert zuvor wurde die erste Badeanstalt an der Versilia eröffnet und wuchs zum mondänen Anziehungspunkt für italienischen Adel, europäische Bohème und für Intellektuelle. Ein Geheimtipp jener High Society, die bis heute das Flair der Küste prägt. Wie die Architektur sind die Versilia-Gäste aller Altersklassen stets zurechtgemacht. Legèr, aber mit Stil, dies ist der unausgesprochene Dresscode. Das erlaubt ungewöhnliche Begegnungen, weil sich hier selbst der betagte Marchese an den Strand wagt, wenn auch nur in jene kostspieligen Bagnos, die immerhin kleine Laufwege zwischen den dicht gestellten Liegen vorsehen.

Der Kontrast zum großzügigen Hinterland wird etwas kleiner, wenn man von Viareggio aus etwas weiter gen Süden wandert. Direkt an den Badeort grenzt ein Pinienwald, der nach ungefähr acht Kilometern wunderschöne und etwas ruhevollere Naturstrände freigibt. Dahinter lädt ein großer Naturpark zu Spaziergängen um den Lago di Massaciuccoli ein. Ebenfalls unweit in dieser Richtung liegen die Städte Lucca und Pisa, die Sie jeweils mit ganz eigenen Welten erwarten.

Die Lage von unserem Charmingplace Locanda al Colle, im hinteren Teil von Viareggio, ermöglicht den Gästen entspannt diese verschiedenen Welten zu erkunden. Wir haben deshalb Gastgeber Riccardo Barsottelli nach seinen liebsten Adressen und Empfehlungen gefragt.

Ausführlich erzählen wir außerdem hier von der Geschichte der Jugendstil-Architektur in Viareggio.

Authentisch essen

Wann immer man Riccardo Barsottelli nach einem Restaurant-Tipp fragt, nennt er stets als erstes das La Bocca in Richtung Pietrasanta. Die kleine, familiengeführte Osteria ist ein Leidenschaftprojekt des Ehepaares Rinaldo und Lina und aufgetischt wird alles, was die lokale Küche hergibt. Regional, saisonal und nicht zuletzt äußerst schmackhaft.

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Ein weiterer Tipp in Pietrasanta ist die Trattoria Il Marcozzo. Hier gefällt vor allem die Atmosphäre und der detailverliebte Design-Sinn. Etwas klassischer geht es im La Dogana bei Capezzano Pianore zu. Die traumhaft schöne Lage überflügelt beinahe das gute Essen und den tollen Service.

Wandmalerei & gute Aussichten

Die Altstadt von Pietrasanta, gelegen etwas oberhalb und zwischen Viareggio und Forte dei Marmi, wird auch als „klein Athen“ bezeichnet, da hier die Marmorproduktion der Gegend beheimatet ist und so das Stadtbild mit zahlreichen Bau- und bildhauerischen Werken prägte. Allein das ist neben zahlreichen Ateliers, Ausstellungen und Museen einen Besuch wert.

Besonders empfiehlt Charmingplace-Gastgeber Riccardo Barsottelli die Botero-Fresken in der Chiesa di Sant’Antonio e San Biagio Abate, in der klassische Kirchenmalerei auf faszinierende Weise modern umgesetzt wurde. Bunt und groß zeigen  links und rechts die Fresken Hölle und Himmel, die der kolumbianische Künstler Fernando Botero mit allerlei symbolträchtigen Details versehen hat.

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Casoli di Camaiore ist ein weiterer Ort, an den Riccardo Barsottelli seine Gäste gerne schickt. Zum einen ist das Dorf traumhaft ruhig gelegen und regional weit bekannt für seine gute, bodenständige Gastronomie. Außerdem findet man in Casoli di Camaiore spannende Wandbilder an den Häusern, dort als Graffiti bezeichnet. Mitte der 1900er soll der Künstler Rosario Murabito, begeistert von dem Dorf, als Geschenk ein Bild an einer Wand hinterlassen haben. Über Jahre setzte sich diese Tradition fort, weshalb heute zahlreiche gemalte Szenerien von mythologischen Erzählungen oder alltäglichen Begebenheiten anzuschauen sind. Jedes Jahr trifft sich die lokale Kunstszene außerdem zu einem Fest („Sgraffiti a Casoli“), bei dem sie das Dorf zu einem Freilichtmuseum verwandelt.

Außerdem empfiehlt Riccardo Barsottelli dann einen Besuch im unweiten Peralta, einer kleinen Wohnsiedlung, die in den 60er Jahren von der Bildhauerin Fiore de Henriquez restauriert wurde und heute Ferienwohnungen beheimatet. Ein traumhafter Ort mitten im toskanischen Idyll, der einen wunderbaren, authentischen Ausblick auf die Versilia bietet.

Designerschnäppchen & Kaschmirfreuden

Jeden Mittwoch Morgen und zur Hauptsaison auch sonntags findet in Forte dei Marmi ein großer Designer-Outlet-Markt statt. Hier wird in der Regel die Ware aus den schicken Boutiquen des Badeorts verkauft, die in der vorherigen Saison keine Besitzer gefunden hat. Ein buntes Treiben, bei dem sich echte Schnäppchen machen lassen und mit etwas Feilschen sogar große. Außerdem gibt es diverse Kaschmir-Ware zu sensationellen Preisen.

Apropos Kaschmir: Le Bimbi in Viareggio fertigt nach alter Tradition handgemachte Strick-Stücke an. Gerne auch nach Maß und Wunsch. Die wiederum sind eine kleine Investition, allerdings auch eine besondere Anschaffung, die gerne über viele Jahre erfreut.

Ausflug ins Grüne

Ein Fahrradausflug von Viareggio entlang der Promenade in den Pinienwald bis hin zu den Naturstränden ist ebenfalls eine große Empfehlung von Riccardo Barsottelli. Die Aussicht von Torre de Lago Puccini auf den See ist einfach schön und im angrenzenden Naturschutzgebiet lässt es sich hervorragend spazieren.

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Am See liegt außerdem die Villa von Komponist Giacomo Puccini, die besichtigt werden kann. Ende Juli bis Mitte August finden außerdem jedes Jahr die Puccini-Festspiele auf einer Freilichtbühne am See statt.

Lea Biermann

Lea Biermann

Redaktion

Seit vielen Jahren schreibt Lea für Redaktionen & Unternehmen.
Bei Glücksmomente Charmingplaces erzählt Lea am liebsten über Menschen und ihre Leidenschaft, sowie Bücher oder Filme, die direkt ins Herz gehen.

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