Darum Valchiavenna: Top 10 + 1 im Tal der Crotti
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Ein Edelstein, zwischen den Gipfeln der Alpen eingefasst, ist das Valchiavenna in der nördlichen Lombardei. Es trennt die westlichen von den östlichen Alpen und grenzt an die Schweiz, wo auch viele seiner Bewohner arbeiten. Wie in einem Scherenschnitt zeichnet sich das Zickzack-Muster der Bergspitzen am Horizont gegen den hellblauen Himmel ab.
Heute entdecken wir das eher unbekannte Chiavenna-Tal und seine 10 Must-Sees. Es ist eine kulinarische Reise, manchmal eine anstrengende, und immer eine faszinierende. Das Tal punktet aber auch mit Abwesenheiten. Abwesenheit von Touristen-Menüs auf in Plastik eingeschweißten Speisekarten, Abwesenheit von Alpen-Animation und von Themenpark-Vibes.
Das Valchiavenna ist ein echter Ort, an dem Menschen ihre wahren Traditionen leben, an dem man auf den Nachbarn schaut und die Umwelt nicht aus wirtschaftlichen Gründen oder moralischen Prinzipien, sondern aus praktischer Liebe zur Heimat respektiert.




Nur wenige Kilometer von der Grenze zur Schweiz liegt die Hauptstadt des Valchiavenna am Fluss Mera: Chiavenna. Lediglich 120 Kilometer ist Mailand von hier entfernt, dabei könnte die schicke und umtriebige Hauptstadt der Lombardei auch auf einem anderen Kontinent sein.
Das elegante Bergstädtchen Chiavenna hat seinen ganz eigenen Charakter. Viele der Gebäude aus dem 16. Jahrhundert sehen heute noch so aus wie seinerzeit.
Schlendern in den Gassen und ein Aperitif über dem Fluss im Schatten der Berge gehören zu einem idealen Tag, ebenso wie der Genuss der lokalen Spezialitäten in den typischen Restaurants und den Crotti. Alpin-italienisch und viel ruhiger als die Touristen-Hotspots am Comer See, das ist Chiavenna.

Ein wenig außerhalb der Stadt befindet sich der Palazzo Vertemate Franchi. Es handelt sich um eines der schönsten Renaissance-Bauwerke der Lombardei und befindet sich inmitten von gepflegten Parkanlagen.
Als 1618 das nahegelegene Dorf Piuro begraben wurde, blieb der Palazzo als einziges Gebäude verschont. Bei einer Führung durch die prunkvollen, wunderbar erhaltenen Säle scheint es, als müssten die Bewohner gleich wieder zurück sein. Hat jemand Bridgerton gesagt?




Der Palazzo Vertemate Franchi zeugt heute davon, was für ein wohlhabendes Städtchen Piuro einst gewesen sein muss. Im Jahr 1618 begrub ein riesiger Erdrutsch Piuro, über 1.000 Bewohner kamen ums Leben und nur wenige konnten sich durch Zufall retten. Überlieferungen und Legenden ranken sich um den dunklen Tag.
Zuerst wurde nach Überlebenden gegraben, dann nach Wertgegenständen und religiösen Objekten. Um sich die Enormität des Erdrutsches vorstellen zu können, muss man nur wissen, dass die größte der Kirchenglocken erst 1859, also 241 Jahre später, wiedergefunden wurde.
Vor 50 Jahren wurde schließlich entschieden, die Reste der Stadt mit archäologischen Ausgrabungen wieder ans Tageslicht zu bringen. Es kamen zahlreiche Alltagsgegenstände aus 1618 zum Vorschein, aber auch Straßen, Häuser und sogar Skelette der unglücklichen Verschütteten. So wurde Piuro zum Pompeji der Renaissance in der Lombardei.

Im Palazzo Vertemate Franchi sind die Zeichnungen zu sehen, die sofort nach der Tragödie angefertigt wurden, und Piuro vor und nach dem Desaster zeigen, aber auch weitere Ausstellungsstücke. Mehr Reste der Renaissance-Stadt Piuro können heute im Museo degli Scavi di Piuro (Eintritt ca. 2 Euro) und auf einem kleinen archäologischen Rundweg besichtigt werden.
Chiavenna wurde auf einer Gerölllawine erbaut, die sich in der Vorgeschichte nach der letzten Eiszeit vom Südhang des Berges Pizzo Stella gelöst hat. Zwischen den Spalten der Felsblöcke entstanden natürliche Grotten, in denen das ganze Jahr eine Brise mit einer konstanten Temperatur von acht Grad weht. Dieser Wind hat sogar einen Namen: Sorel.
Rund um die Grotten wurden aus lokalem Stein rustikale Gebäude errichtet, die als effiziente Kühlschränke dienten. Besonders Käse wurde hier gelagert, aber auch Wein und Wurstwaren. Die im Sommer kühlen und im Winter lauen Crotti wurden auch für Familienzusammenkünfte genutzt, bei denen selbstverständlich die typischen Gerichte des Valchiavenna nicht fehlen durften: Gnocchi allen voran.
Heute dienen einige der Crotti als urige Felsenrestaurants, in denen die Spezialitäten der Region nach strengen Richtlinien serviert werden.



Um zu verstehen, was die Crotti sind, muss man eigentlich da gewesen sein. Dann bedarf es keiner Worte mehr, es reicht das Gefühl der kühlen Luft auf der Haut in den Naturkellern, die automatisch klimatisiert waren, schon lange bevor die erste Klimaanlage erfunden wurde.
Etwa 80 Crotti gibt es heute im Valchiavenna, in denen ausschließlich lokale Produkte serviert werden: Bresaola, Käse, Polenta und Gnocchi. Seit 1956 wird jedes Jahr in der ersten Septemberhälfte das Crotti-Festival abgehalten, für das zahlreiche Crotti außerordentlich ihre Türen öffnen und die Besucher mit den besten Produkten des Valchiavenna verköstigen.

Schon von Weitem sind die Wasserfälle von Acquafraggia zu sehen – ein wahres Naturmonument. Der Eintritt kostet in der Hochsaison 3 Euro, in der Nebensaison kann der Wasserfall kostenlos besucht werden.
Aus schwindelerregenden 170 Metern stürzen sich die Wassermassen des Flusses Piuro ohne Unterbrechung in die Tiefe. Der Piuro entspringt auf 3.050 Metern Höhe und kurz nach den Cascate di Acquafraggia wird er sich in den Fluss Mera ergießen.
Eine endemische Farnart und andere seltene Pflanzen wachsen am Fuße des Wasserfalls. Regenbögen schillern durch die Wassertröpfchen in der Sonne, auf der Wiese daneben ist ein perfekter Ort für ein Picknick mit Wasserfallblick. Hier kann der Nachmittag friedlich vorbeifließen.

Oder aber, der Tag kann aktiv weitergehen: Vom Wasserfall führt ein steiler Weg über 2.884 Stufen durch den Wald zum Geisterdorf Savogno, auch „Perle des Valchiavenna“ genannt. Aus den Brunnen am Wegesrand fließt frisches Quellwasser, köstlich und kühl. Das hilft, den Berg zu erklettern, und lädt immer wieder zur Rast an den handgemetzten Steinwannen im Schatten der Kastanienbäume.
Wer jetzt findet, dass der Aufstieg beschwerlich sei, darf an die Menschen denken, die diese Steinstufen, die 550 Höhenmeter überwinden, einst errichteten. Auch wenn die Stufen auf den ersten Blick unscheinbar erscheinen, handelt es sich bei jeder einzelnen um ein kleines architektonisches Meisterwerk.

Im Jahr 1968 verließen die letzten Bewohner von Savogno ihre Häuser aus Stein und Holz. Keine Straße führt hierher, damit ist allein unsere Anwesenheit im mittelalterlichen Dorf ein Privileg. Obwohl der Ort nicht dauerhaft bewohnt ist, werden die Gebäude wunderbar instand gehalten. Diese einzigartige Architektur mit den Schieferdächern und Holzbalkonen darf nicht verloren gehen.
Der Weg führt von Savogno weiter nach oben, ins Dorf Dasile – weniger bekannt, doch nicht weniger faszinierend. Der Ausblick von hier geht über das Val Bregaglia und bis nach Chiavenna. Unterwegs stehen eine Sägemühle und eine Weinpresse als Zeitzeugen längst vergangener Tage. Es ist eine andere Welt, wunderbar einfach, ruhig und ein bisschen nostalgisch.
Oft schlägt das Wetter oben auf dem Berg plötzlich um – am besten auch bei Sonnenschein immer einen Regenschutz mitbringen!

Die Marmitte dei Giganti sind natürliche Fels-Skulpturen, die in den Jahrhunderten vom Wasser geformt wurden.
Bei einer großen Runde im Parco delle Marmitte, der sich am Anfang des Val Bregaglia ganz in der Nähe der Altstadt von Chiavenna befindet, bekommt man den Eindruck, in einem Museum unterwegs zu sein, das nur von der Natur und ihren Elementen gestaltet wurde.


Umgeben von Bergen ist der Lago di Mezzola, dessen türkise Gewässer wie ein großer Spiegel die grünen Wälder und die felsigen Gipfel reflektieren. Im Norden liegt das Naturschutzgebiet Riserva Naturale Pian di Spagna mit einem Moor, in dem zahlreiche Tiere Zuflucht finden. Es erstreckt sich über die Provinzen Sondrio und Como.
Ein privater Bootsausflug mit dem Elektroboot über den See gehört zu den Geheimtipps im Valchiavenna. Sportliche Menschen bouldern an den Felswänden direkt über dem See, Naturfreunde beobachten die zahlreichen Vögel und genießen die Ruhe der Natur.

Eine unverzichtbare Etappe bei der Entdeckung des Valchiavenna ist der Wanderweg Via Spluga, der seit Jahrhunderten die beiden Orte Thusis in der Schweiz und Chiavenna in Italien über den Splügenpass miteinander verbindet.
Die geschichtsträchtige Wanderung hat eine Gesamtlänge von 70 Kilometern. Jahrhundertelang war die Route eine direkte Verbindung zwischen Italien und dem übrigen Europa. Schon Johann Wolfgang von Goethe kam hier vorbei.

Golden glänzt die 13 Meter hohe Statue der Jungfrau Maria im Sonnenlicht, unweit grasen unbeeindruckt die Rinder. Auf knapp 2000 Metern Höhe steht sie über Motta, dominiert die Landschaft und regt zu Besinnung und Gebet an.
Es ist ein spiritueller Ort, der den Einheimischen viel bedeutet. Vor den Füßen der Marienstatue starten auch zahlreiche Wanderwege, darunter der Weg zum Lago Azzurro.

Im Winter dreht sich für Schnee-Fans alles um Madesimo, wo die Skiarea Valchiavenna liegt.
Die 60 Pistenkilometer erstrecken sich bis auf eine Höhe von 3.000 Meter und bieten damit gute Schneesicherheit. Bis Mitte April sind die letzten Lifte geöffnet. Am bekanntesten ist die Abfahrt Canalone vom Gipfel des Pizzo Groppera, die zu den eindrucksvollsten der Lombardei zählt.

Lassen Sie sich von unseren Geheimtipps im Valchiavenna für Ihren nächsten Urlaub inspirieren!
Das Chiavenna-Tal ist ein Ziel für Besucher, die sich Zeit nehmen, den Einheimischen und der Natur in diesem Teil Norditaliens zuzuhören. Belohnt werden sie mit ehrlicher Gastfreundschaft, authentischer Tradition und atemberaubend schöner Natur.

Lydia Stöflmayr
Texterin & Autorin
Lydia ist freie Texterin, Autorin und Dolmetscherin. Sie liebt es, neue Sprachen, Kulturen und Mentalitäten kennenzulernen. Dabei spielt Sprache eine wesentliche Rolle und eben vor allem die richtigen Worte zu finden. Diese Aufgabe hat sie zu ihrer Profession gemacht.
Egal ob zu Wasser, zu Fuß oder auf dem Fahrrad: Sportskanonen kommen am Comer See auf ihre Kosten.
Das perfekte Risotto-Grundrezept? Finden Sie hier in dieser wunderbar frischen Variante mit Zucchini und frischer Forelle.
Der Comer See wurde zu einem beliebten Zufluchtsort berühmter Persönlichkeiten, konnte sich jedoch sein entspanntes Flair erhalten.
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