Schwetzingen Geheimtipps: Die Lieblingsorte einer Gastgeberin in der Kurpfalz
Schwetzingen, Ulrike Kugler-Oestergaard | Die persönlichen Geheimtipps einer Gastgeberin rund um den Grenzhof | vom Rokoko-Schlossgarten bis zu den Sand-Binnendünen im Rheinauer Wald | Weinausflüge in Kraichgau und Pfalz, Bummeln in Ladenburg | für Genießer, Kulturfreunde und Weinliebhaber | Kurpfalz | Deutschland
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Mein Name ist Ulrike Kugler-Oestergaard und ich führe den Grenzhof zwischen Heidelberg und Schwetzingen in vierter Generation. Unsere „Oase zwischen den Städten” mitten in der Kurpfalz ist ein Weiler, in dem ich selbst mit meiner Familie lebe.
Hier betreiben wir Gastfreundschaft schon seit 1897 - die Rezepte im Restaurant stammen aber von unserem jungen, ambitionierten Küchenchef und haben eine Prise Innovation. Weil ich hier verwurzelt bin, gebe ich Ihnen meine persönlichen Geheimtipps für Schwetzingen und die Kurpfalz weiter.




Das Hotel und Restaurant Grenzhof liegt, wie das durch einen Comic berühmte gallische Dorf, inmitten der dicht besiedelten Metropolregion Rhein-Neckar. Sternförmig sind wir umgeben von kleinen Städtchen und natürlich nicht weit entfernt von der Touristenattraktion Heidelberg.
Und dennoch ist es bei uns ruhig und idyllisch! Sicher hängt das auch mit dem Charme unseres Hauses zusammen, den ich selbst täglich genieße. 35 Zimmer, darunter die 21 von mir persönlich gestalteten Themenzimmer, stehen für unsere Gäste bereit. Die finden hier ihren kleinen Urlaub, eine kurze Auszeit vom stressigen Stadtleben oder auch einen familiären Rahmen für Events und besondere Anlässe. Ich liebe es, alles schön zu machen - für meine Gäste, aber auch für mich selbst.







Ich liebe meine Heimat, mit einem Menschenschlag, der zugewandt, freundlich und manchmal etwas laut ist, immer offen für einen Plausch mit dem Nächsten, und der eine Mischung aus den Stereotypen eines Bayern und eines Franzosen in sich trägt.
Eine typische Urlaubslandschaft mit Wald, Bergen und Wanderwegen ist die Kurpfalz nicht. Und wer Heidelberg selbst sucht, die Altstadt, das Schloss, die Alte Brücke, findet die passenden Adressen in unseren Erlebnistipps für Heidelberg und Umgebung. Mir geht es hier um das, was rundherum liegt: die kleinen Städtchen, die Weinberge und ein Stück Landschaft direkt vor meiner Haustür, das kaum jemand auf dem Schirm hat.

Mein Lieblings-Städtchen zum gemütlichen und stilvollen Einkaufen ist Schwetzingen: Hier gibt es sie noch, die individuellen kleinen Boutiquen, in denen man sein Lieblingskleid findet. Ein Kaffeehaus auf dem Schlossplatz für den kleinen Hunger zwischendurch und viele weitere gute Einkehrmöglichkeiten machen Lust, länger zu bleiben. Das Ambiente ist ebenso erhaben wie gemütlich.
Samstag und Mittwoch ist ein überschaubarer, aber von quirligen Kurpfälzern frequentierter Wochenmarkt. Der Schwerpunkt liegt auf den frischen Erzeugnissen. Vor allem der Schwetzinger Spargel wird von Ende April bis Ende Juni angeboten. Für das königliche Gemüse ist die Stadt bekannt, einst war es allein dem Adel vorbehalten.

Auf dem Markt spürt man die Nähe zu Frankreich kulinarisch, das Angebot an französischem Käse ist herrlich. Es kommt auch ein Anbieter für köstliche griechische Oliven und es gibt frische Eier vom Bauern nebenan.
Auch die Geschichte des Rokokoschlosses Schwetzingen, das als Sommerresidenz von Kurfürst Carl Theodor im 18. Jahrhundert neben den Grundfesten einer Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert erbaut wurde, erinnert daran, dass die Grenze zu Frankreich nicht weit ist. Hier hat man sich an den Großen orientiert.

Zum Schlosspark von Schwetzingen schicke ich meine Gäste als Erstes. Nach dem Vorbild von Versailles entstand die Parkanlage, die auch heute noch zum Staunen bringt. Sie ist die größte und (zu Recht) bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt. Man kann stundenlang durch eine barocke, streng geometrische Anlage voller Blumenrabatte flanieren, die von Johann Ludwig Petri Mitte des 18. Jahrhunderts gestaltet wurde.

Barocke und französische Stilelemente prägen den Garten, werden aber auch durch die von Friedrich Ludwig von Sckell ab 1777 angelegten Bereiche im englischen Stil ergänzt. Schon immer war der Park der Öffentlichkeit zugänglich, lange Zeit auch kostenlos, heute ist er eintrittspflichtig und es werden hier Festivals und Konzerte veranstaltet. Hecken, Tempel und Rabatten bieten eine erstaunliche Naturkulisse für die Inszenierungen.


Überraschend sind die Elemente des Ensembles. So steht im hinteren Teil der riesigen Gartenanlage eine Gartenmoschee: ein außergewöhnliches Bauwerk, das als Gartenarchitektur gedacht war und nie als Gebetsstätte gedient hat. Nicolas de Pigage hat die Moschee und auch die Orangerie angelegt, und der Apollotempel mit Labyrinth ist ebenfalls ihm zuzuschreiben.

Das Badhaus im Schlosspark war einst Ort der Muße und des Rückzugs für Kurfürst Carl Theodor. In der Sommerresidenz widmete er sich Musik und Lektüre. Höhepunkt beim Besuch des Lustschlosses ist selbstverständlich das namensgebende Badezimmer mit seiner ovalen Badewanne, die über Bleirohre aus der Badhausküche mit heißem Wasser gefüllt wurde. Ob der Kurfürst hier wirklich je selbst gebadet hat, ist nicht überliefert, doch dass er in seiner eleganten kleinen Gartenresidenz gerne Flöte spielte, scheint sicher zu sein.

Nur fünf Kilometer ist dieser Zaubergarten vom Grenzhof entfernt. Ich werde nie müde herzukommen und jedes Mal etwas Neues zu sehen oder auf Kieswegen und zwischen Blumenbeeten wie eine Kurfürstin zu spazieren.
Ein kulturelles Highlight sind die Schwetzinger SWR Festspiele. Diese finden jährlich zwischen April und Mai in den Zirkelsälen, dem Rokokotheater und dem Schlosspark des Schwetzinger Schlosses statt. Schwerpunkt des Festivals sind hochkarätige Operninszenierungen, Orchester- und Pop-up-Konzerte sowie Lesungen und Gesprächsformate.
Während der vier Wochen verwandeln die Schwetzinger SWR Festspiele die Stadt in eine der stimmungsvollsten Europas. Auch Uraufführungen moderner Stücke finden bei dieser Gelegenheit statt.


Ladenburg hat eine ganz eigene Faszination, mit seinem mittelalterlichen Ambiente ist das Städtchen einen Ausflug wert. Es ist meines Erachtens noch ursprünglicher erhalten als Heidelberg - und es gibt weitaus weniger Touristen hier.
Man flaniert durch Kopfsteinpflastergassen, bewundert alte, mit dem hier typischen roten Sandstein erbaute Häuser, und auch in diesem malerischen Ort gibt es viele kleinere Geschäfte zum Bummeln und Einkehrmöglichkeiten wie zum Beispiel „Die Zwiwwel” oder „Die Kartoffel”.


Unbedingt empfehle ich den Besuch im Automuseum Dr. Carl Benz, und zwar nicht nur, weil das Museum die Geschichte des hier erstmals entstandenen PKW erzählt. Für mich, als emanzipierte Frau, gibt es hier eine besondere Geschichte: Bertha Benz unternahm im August 1888 als Frau die erste Fernfahrt mit ihrem Patent-Motorwagen Nr. 3 von Mannheim bis nach Pforzheim.

Ohne das Wissen ihres Mannes bewies sie so, nur in Begleitung ihrer beiden Teenager-Söhne, die Alltagstauglichkeit der pferdelosen Kutsche. Was für ein Abenteuer!
Tankstellen gab es noch nicht und sie kaufte in der Apotheke in Wiesloch (aus der Stadt stammt übrigens meine Mutter) Waschbenzin als Treibstoff für ihren Wagen. Mehrere Reparaturen waren unterwegs notwendig und Bertha reparierte mit Hutnadel und Strumpfband die eine oder andere Panne. Heute ist die Strecke zwischen Mannheim und Pforzheim als Bertha Benz Memorial Route bekannt.
Als Wein-affine Gastgeberin ist natürlich die Lage des Grenzhof zwischen den Weinanbaugebieten der Pfalz und des badischen Kraichgau ideal: In 30 bis 45 Minuten ist man mitten im Weinberg oder besser noch - bei den Winzern!
So ist ein Ausflug zum Weingut Seeger in Heidelberg oder den Heitlinger Genusswelten in Östringen, mit einer kleinen Weinprobe, unverzichtbar. Weitere Tipps bezüglich Wein lesen Sie in unseren Erlebnistipps für Heidelberg und Umgebung.


Was ich am Kraichgau schätze: Die Winzer hier nehmen sich Zeit. Man steht im Hof, probiert, kommt ins Reden – und auf einmal ist der Nachmittag vorbei. Ich verbinde so einen Ausflug am liebsten mit einer Weinwanderung durch die Hügel, bevor es zurück an den Grenzhof geht.
Auch die Pfalz ist quasi um die Ecke und in einer kurzen Autofahrt erreichbar. Viele Tipps und Empfehlungen erfahren Sie auch in unseren Geheimtipps für die Pfalz.

Ein Ausflug nach Deidesheim mit einem Besuch im Weingut von Winning oder Reichsrat von Buhl und einer Wanderung durch die direkt hinter den Weingütern gelegenen, malerischen großen Lagen „Herrgottsacker” oder „Jesuitengarten” gehört für mich zu den schönsten Tagen im Jahr.
Mein persönlicher Tipp: Besonders schön sind die Weinbergshäuschen in den Weingärten. Hier kann man Rast machen und ein Picknick genießen. Fragen Sie im Grenzhof nach – wir packen gerne solche Wunderkörbe für unsere Gäste und träumen uns bei deren Vorbereitung dann selbst kurz in den Weinberg.




Auch die Mandelblüte in der etwas südlicher gelegenen Pfalz in Maikammer und Neustadt an der Weinstraße ist ein Erlebnis für sich. 40 Minuten sind es dorthin mit dem Auto vom Grenzhof, um dem Frühling entgegenzufahren. Jedes Jahr Ende Februar oder Anfang März ist es wieder so weit, das rosa Meer aus Blüten zu bestaunen.
Einen kleinen Geheimtipp habe ich noch, ganz in der Nähe des Grenzhof. Mit dem Fahrrad gut erreichbar ist eine Wanderung durch die Sand-Binnendünen im Rheinauer Wald bei Hirschacker.

Der Schwetzinger Spargel ist deshalb so gut und berühmt, weil er auf sandigen Böden wächst. Und diese Sand-Binnendünen sind besonders prägnant in einem Waldstück nahe des Grenzhof. Entstanden sind die außergewöhnlichen Dünen am Ende der letzten Eiszeit.
Bei der Rückkehr von so einer Radtour ist eine Einkehr in unserem schattigen Kastanienhof natürlich ein exzellenter Abschluss!

Der Kastanienhof ist fast schon selbst ein Geheimtipp. Bei uns im Boutiquehotel Grenzhof warten das ganze Jahr über kleine und größere Events: Während im Sommer die kühlen Getränke im Gastgarten schmecken, bringt unser Weihnachtsmarkt ein romantisches Flair mit heißer Bowle, Weihnachtsbäumen und Adventsmusik. Bis es wieder so weit ist, laden wir regelmäßig zu Grillabenden und Konzerten.
Eine Insider-Info habe ich noch: Ich baue gerade unseren Gewölbekeller zum Weinbistro aus. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.







Lydia Stöflmayr
Texterin & Autorin
Lydia ist freie Texterin, Autorin und Dolmetscherin. Sie liebt es, neue Sprachen, Kulturen und Mentalitäten kennenzulernen. Dabei spielt Sprache eine wesentliche Rolle und eben vor allem die richtigen Worte zu finden. Diese Aufgabe hat sie zu ihrer Profession gemacht.
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