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Weite, so weit das Herz reicht

Geheimtipps Mecklenburg Vorpommern

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Titelfoto: Thomas Böhme, Anklamer Torfmoor, CC BY-SA 3.0

„Stadt oder Land! Nur nicht zu eng die Räume! Ein wenig Himmel, etwas Grün der Bäume, zum Schatten vor dem Sonnenbrand. Nicht an das Wo ward Seligkeit gebunden; Wer hat das Glück schon außer sich gefunden?“

– Karl Lappe, pommerscher Dichter, aus „Blätter“, erschienen um 1829

Man kann meine Besuche in Mecklenburg-Vorpommern an einer Hand abzählen, als ich schon beschloss, dorthin zu ziehen. Zwar nur für wenige Monate, doch habe ich das Bundesland nie als Touristin erlebt. Auch deshalb sind meine Beschreibungen von Landschaften, Orten oder Menschen wahrscheinlich eingefärbt von Momenten, die sich über einen anderen Zeitraum spannen. Anders als die Unbeschwertheit von Urlaubstagen. Auch kann ich mich schwer für Worte entscheiden, da sie doch nie alle Eindrücke erfassen.

In meinen Erinnerungen klebt der Geruch von sonnenverbranntem Gras, der durch die offenen Autofenster wehte, wenn wir früh am Morgen über einen Schleichweg durch die Felder ins nächste Dorf rumpelten. Genauso wenig vergesse ich die Fahrten an Winterabenden, in denen der dichte Nebel mit der frühen Dämmerung über die Straße zog und mein Fuß in ständiger Alarmbereitschaft auf der Bremse lag, weil in Kilometer-Abständen immer wieder erschrockene Tiergesichter aus dem Nichts auftauchten. Eine der prägendsten Dinge aus meiner Zeit in Mecklenburg-Vorpommern waren wohl die Distanzen, die ich im Alltag zurücklegte und in dem das Auto alternativlos war.

Zwar passt die Fläche von Mecklenburg-Vorpommern über drei Mal in die Fläche von Bayern, jedoch ist sie das am dünnsten besiedelte deutsche Bundesland. Dieses ist überwiegend flach und von Gewässern geprägt. Über 2000 Seen gibt es in Meck-Pomm, von denen die Müritz der flächengrößte deutsche Binnensee ist. Dazu kommen 1712 km Küste, welche aus 1358 Bodden- und Haff-Küste bestehen. Dort wechseln sich Wasser und Land stetig ab und erzeugen in jede Himmelsrichtung ein großflächiges Naturschauspiel. All  das trägt dazu bei, dass sich der Eindruck von Weite in Mecklenburg-Vorpommern – nun ja – erweitert.

Manche Orte in Mecklenburg-Vorpommern sind so klein, dass bei der Einfahrt schon wieder das Ortsausfahrtsschild zu sehen ist. Andere, wie die kleine Gutsshofsiedlung, in der ich wohnte, sind  nur über einen gepflasterten Weg zu erreichen, der zugeschneit im Winter die Zufahrt versperrt. Gehwege, Straßenlaternen, Bushaltestellen – Fehlanzeige. 

Die etwas größeren Orte wurden in den letzten Jahrzehnten von der Landflucht ereilt und in den meisten Geschäftsauslagen wartet gähnende Leere. In Städten fand ich es stets schwer vorstellbar, dass der Trubel von Berlin nur rund 200 Kilometer entfernt liegt. Dagegen begegneten mir die (wahrscheinlich durch die Studierenden bestimmten) urbaneren Strömungen in Greifswald oder Rostock ungewohnt, aber umso greifbarer.

Meine journalistische Erwerbstätigkeit hat mich an viele der unscheinbaren Plätze geführt und mit Menschen sprechen lassen, die diese Orte ihre Heimat nennen. Manche gehen schon seit Generationen über dieselben Schwellen, andere sind aus großen Städten dazu gekommen, sehnsüchtig nach einer überschaubaren Welt und Utopien von Selbstversorgung. Ich habe Geschichten von Menschen gehört, die ungläubig gesellschaftliche und politische Debatten in der nahen Hauptstadt verfolgen, weil sie ihrer eigenen Lebensrealität so wenig gleicht. Genauso Geschichten von Fortgegangenen, die sich auf Heimatbesuch immer noch auflehnen im gemeinsamen und doch gegensätzlichen Widerstand, mit anderen, die dageblieben sind und denen es trotzdem eng in all der Weite zu mute ist.

Ich habe die Ströme von Besucher*innen in den Orten auf Rügen oder Usedom beobachtet, die sich am Wochenende an den Promenaden drängen, die glatt modernisiert wenig von der langen Kurtradition übrig lassen, wie ich finde. Überhaupt war ich wenig an der Ostsee, wie ich sonst auch wenig in den Bergen bin, wenn sich meine Wohnstätte gerade in Süddeutschland befindet.

Glanzvolle Orte vergangener Tage fand ich dagegen in den alten, meist renovierungsbedürftigen, oft halb verfallenen Gutshäusern oder kleinen Schlössern. Manche Gemeinden, oder noch öfter Menschen mit viel Leidenschaft und dem nötigen Geld, nahmen sich der alten Mauern an und restaurierten sie mit viel Liebe und über Jahre hinweg, um so Kulturgeschichte in der Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns zum Vorschein zu bringen, die so in ihrer Unberührtheit kleine Zeitreisen ermöglicht.

Wahrscheinlich habe ich mehr gelernt in jener Zeit, als inmitten des großen Angebots großstädtischer Kultur. Schulter an Schulter am Lagerfeuer. Über uns ein Meer an Sternen, das das fehlende Licht für unsere Augen freigibt und Fragen eröffnet, die mehr umfassen als nur hell und dunkel.

Ob es Ihnen nach wenigen Tagen Mecklenburg-Vorpommern auch so gehen würde? Keine Ahnung. Ich weiß aber, dass die Weite hier auch gleichzeitig die Chance auf Weite im Inneren schenkt. Und dass man staunt, was es dort alles so zu entdecken gibt. 

Vor der Haustür los spazieren

Wenn Sie in einem Charmingplace wie den Pommernhäusern Urlaub machen, dann teilen Sie das Glück, das auch ich in meiner Zeit in Meck-Pomm hatte. Wenige Schritte von der Haustür entfernt erstreckt sich idyllische Natur. Einfach los spazieren und schauen, was es zu entdecken gibt, ist ein heißer Tipp! Am Stettiner Haff, an dem die Pommernhäuser liegen, haben Sie außerdem die Möglichkeit, entspannt zu baden. Durch das Haff sind Sie vor den Rauheiten der Ostsee besser geschützt, der Sand ist feinkörnig und das Wasser wird erst allmählich tiefer.

Mehr zum Stettiner Haff können Sie in diesem SZ-Artikel nachlesen.

Ausflug auf Usedom

Als Pflichtprogrammpunkt würde ich einen Ausflug auf eine der Ostseeinseln empfehlen. Günstig gelegen zu den Pommernhäusern ist Usedom. Auf den über 400 Quadratkilometern Land lassen sich auch mehrere Tage füllen. Am schönsten finde ich aber nach dem Besuch im Thermalbad (samt Sauna) eingepackt den Strand entlang zu spazieren und sich die kalte Brise um die Nase wehen zu lassen. Wenn Sie Glück haben, finden Sie noch eine Bude, die heißen Grog verkauft und vor der ein Lagerfeuer brennt. Das setzt neue Maßstäbe in Sachen Stranderlebnis!

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Wo geht man* pommersch’ essen?

Zugegeben, ich würde Foodies Mecklenburg-Vorpommern nicht gerade als Ziel ersten Grades ans Herz legen. Unbedingt empfehlen würde ich aber Fischbrötchen  – am besten von einer Bude in Wassernähe oder einem Fischfachgeschäft. Meine Favoriten sind die Fischbrötchen von Fisch13 in Greifswald. Der Fischhandel bedient mit kreativen Eigenkreationen. Der Pflaumenaugust, ein Matjesbrötchen mit Pflaumenmus, Äpfeln und Zwiebeln, ist mittlerweile (und absolut zurecht, wie ich finde) eine kleine Berühmtheit.

Mein zweiter Fischbuden-Favorit liegt direkt am Hafen des Greifswalder Ortsteil Wieck, früher Fischerdorf. Das hat nur sekundär geschmackliche Gründe, sondern ist vielmehr eine Frage des Flairs.

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Etwas feiner speist es sich im Gutshaus Stolpe. Richtig schick geht das im Restaurant Gutsherrenküche (ein Michelin Stern). Hier lesen Sie einen ausführlicheren Bericht, was Sie erwarten könnte. Im benachbarten Restaurant Stolper Fährkrug gibt es auch noch einfachere Wirtshausküche. Ein Besuch im Gutshaus lohnt in jedem Fall, da es auch einfach sehr schön liegt.

In Laufnähe zum Charmingplace Pommernhaus liegen der Imbiss Inselblick und der Imbiss für geräucherten Fisch. Ich habe beide nicht besucht, beides sieht aber sehr gut und toll gelegen aus!

Mit dem Kanu durch Vorpommern

Eine weitere Aktivität, die ich von Herzen empfehle, ist Kanufahren! Natürlich nicht auf der Ostsee, sondern auf einem der mal kleineren, mal größeren Flüsse. Sich die Landschaft zu erppadeln, ist nicht nur eine tolle Aktivität zu zweit oder als größere Gruppe, sondern verschafft auch richtig Abenteuergefühl. Je nach Lage kann man hinter jeder neuen Flussbiegung zauberhafte Buchten entdecken. Das lohnt schon ab einer Stunde. Wagemutigere können sogar eine Kanutour über mehrere Tage planen und an einem der vielen Wasserwanderrastplätze das Zelt aufschlagen.

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Mein – jedoch von den Pommernhäusern etwas entfernter gelegener – Favorit ist die Peene, auch gerne Amazonas des Nordens genannt. Einen tollen Verleih für kleine Touren gibt es bei der Burg Klempenow.

Etwas näher und mit einem ebenfalls tollen Angebot an Natur- und Kanuaustrüstung liegt die Uecker.

Der Gastgeber der Pommernhäuser empfiehlt außerdem Kanutouren bei Sonnenuntergang oder Mondschein von diesem Anbieter auf der Oder.

Herren- und Gutshäuser entdecken

Um die 2000 der alt-ehrwürdigen Gemäuer stehen in Mecklenburg- Vorpommern. Einige denkmalgeschützt, andere in Privatbesitz und die nächsten dem Verfall geweiht. Über 600 Herren- und Gutshäuser jedoch werden mittlerweile touristisch, auf unterschiedlichste Weise genutzt. Das Entdecken lohnt sich.

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Mehr über eine Dokureihe, die von Menschen erzählt, welche den Entschluss gefasst haben, den Herren- und Gutshäusern in Mecklenburg-Vorpommern neues Leben einzuhauchen, erzählt unser Medientipp.

Meck-Pomm in urban

Wer ein wenig Stadtluft schnuppern will, dem empfehle ich einen Ausflug nach Greifswald oder Rostock. Die Innenstadt von Greifswald erklärt sich selbst und lädt zum kleinen Bummel oder verweilen in einem hübschen Café ein.

In Rostock hat mir besonders gut das „hippere“ Viertel Kröpeliner Tor Vorstadt (von den Rostocker*innen kurz KTV genannt) gefallen. Aber ein Abstecher  in das Seebad Warnemünde sollte man sich nicht entgehen lassen.

Günstig gelegen zu den Pommernhäusern ist außerdem Stettin (polnisch Szczecin). Ich habe es nie dort hingeschafft, würde einen Ausflug aber bei meinem Urlaub in einem der Pommernhäuser einplanen.

Mein Geheimtipp

Ein wirklich besonderer Ort, den ich ohne private Empfehlung vermutlich nie besucht hätte, ist die Burg Klempenow. An der zauberhaften alten Burg finden immer wieder Feste, Ausstellungen, Märkte und open-Air Kinovorstellungen statt. Außerdem gibt es ein zauberhaftes kleines Burgcafé und einen kleinen Laden, sowie eine super Kanustation.

Informationen zur Region und Zimmervermittlung: Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. Tel. 039931 538-0 

Lea Biermann

Lea Biermann

Redaktion

Seit vielen Jahren schreibt Lea für Redaktionen & Unternehmen.
Bei Glücksmomente Charmingplaces erzählt Lea am liebsten über Menschen und ihre Leidenschaft, sowie Bücher oder Filme, die direkt ins Herz gehen.

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