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Lebensenergie aus der Natur: Kraftorte im Bregenzerwald

Geheimtipps Bregenzerwald Körbersee

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Frühgeschichtliche Kultstätten zeugen von der starken Anziehungskraft markanter Landschaftsformen und -elemente. Alleinstehende Berge und Felsen waren naturverbundenen Kulturen heilig; ebenso Gewässer, Bäume und Haine. Nach heutigem Verständnis gelten Orte der Kraft als Zonen mit erhöhter natürlicher Energie. Ihre Atmosphäre wird häufig als beruhigend, stärkend oder belebend erlebt.

Auch wenn die Erfahrung erhöhter Energieschwingungen physikalisch nicht messbar ist, suchen wir doch intuitiv Plätze auf, zu denen wir uns hingezogen fühlen. Wir alle haben Lieblingsorte, an denen wir innehalten und Kraft schöpfen: die Aussichtsbank auf der Spazierrunde, der Sitzplatz unter dem Gartenbaum, das Ufer eines nahen Sees. Stellen wir uns die Frage, was uns immer wieder dorthin zieht, haben wir oft keine konkrete Antwort. Wir spüren nur, dass diese Kraftorte unserer Seele gut tun; dass wir von ihnen gestärkt in den Alltag zurückkehren.

Erfahrungswissenschaften wie die Geomantie und Radiästhesie erforschen die feinstofflichen Kräfte der Erde. Sie gehen davon aus, dass es auf der Erdoberfläche natürliche Energieströme und Energiezentren gibt, die Mensch und Natur beeinflussen. Diese feinstoffliche Energie oder Lebenskraft konzentriere sich in bestimmten Landschaftselementen und sei – je nach Form, Größe und Dynamik – unterschiedlich stark. So habe ein strömendes Gewässer mehr Vitalkraft als ein stehendes; ein Wald bilde ein größeres Kraftfeld als ein einzelner Baum.

Bei aller Wissenschaft und Theorie: Letztendlich ist unsere Sichtweise auf die Welt abhängig von den gemachten Erfahrungen. Wichtiger als der Beweis einer feinstofflichen Natur mag deshalb das persönliche Empfinden sein. Denn nur dieses entscheidet, ob wir uns an einem Ort wohlfühlen oder nicht. Ob er ein Kraftort für uns werden kann. Nachfolgend stellen wir Ihnen etliche Geheimtipps für solche Orte vor.

Kraftort Berg: Dem Himmel ganz nah

Um viele Kraftorte im Bregenzerwald und Vorarlberg ranken sich Mythen und Sagen, manchen werden sogar Heilkräfte zugeschrieben. Beginnen wir mit dem Wahrzeichen des Bregenzerwaldes: der sagenumwobenen Kanisfluh.

Das mächtige Bergmassiv beherrscht mit seinen drei Gipfeln Holenke, Rundkopf und Sonnenkopf den Hinterwald zwischen Mellau und Au. Beim Anblick der schattigen, bedrohlich steil aufragenden Nordwände wird klar, warum die Kanisfluh früher als Sitz von Toten und Dämonen betrachtet wurde. Eine auffällige Felssäule hoch oben in der Wand war im Volksmund als „Geisterkirche“, „Hexenturm“ oder „Wirmensul“ bekannt. Noch im 18. Jahrhundert wurden dorthin Geister verbannt, die den Menschen im Tal das Leben schwer machten.

Ganz anders präsentiert sich die leicht zu erwandernde Südseite des Berges. Der Weg auf die 2044 Meter hohe Holenke führt bis zum letzten, etwas steileren Gipfelaufschwung über sanfte Alpwiesen. An diesem Aussichtpunkt weit oberhalb der Wirmsäule, mit Blick auf den Bodensee, kommt selbst der umtriebigste Geist zur Ruhe – gebannt von der Schönheit der sich unter ihm ausbreitenden Landschaft. Die Wanderung auf die Kanisfluh, das „Herz des Waldes“ ist besonders bei Sonnenaufgang zu empfehlen.

Kraftort Höhle: Im Schoß von Mutter Erde

Unterirdische Hohlräume wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte als Zufluchtsorte und Kultstätten genutzt. Sie galten in vielen Kulturen als Pforten zur Unterwelt und zum Totenreich. Eremiten ziehen sich heute noch in Höhlen zurück, um fernab der Welt spirituelle Erfahrungen zu machen. Tief im Fels gibt es keine Ablenkung, nur Dunkelheit und Stille. Fast meint man, die Erde atmen zu hören.

Im Bregenzerwald befindet sich nahe der Vorsäßsiedlung Schönebach das sogenannte Schneckenloch, die mit rund 3,6 km Metern Länge zweitgrößte Höhle Vorarlbergs. Gut eineinhalb Stunden Gehzeit sind zum Erreichen dieses alpinen Kraftplatzes einzuplanen. Die Schneckenlochhöhle sollte nur im Rahmen einer geführten Tour mit entsprechender Ausrüstung begangen werden.

Weniger Abenteuerlustigen sei der Höhlenpark am Klausenstein oberhalb von Bezau empfohlen. Vor etwa 500 Jahren bildeten sich hier durch einen großen Felsabbruch Bergsturzhöhlen. Die Zwischenräume der zum Teil haushoch übereinander getürmten Felsblöcke lassen sich gefahrlos auch mit Kindern erkunden.

Kraftquelle Wasser: Ursprung allen Lebens

An vielen natürlichen Kultplätzen stehen heute Sakralbauten. Auch im Bregenzerwald wurden in der Nähe von Quellen christliche Kirchen oder Kapellen errichtet. Der Legende nach gehen die heiligen Quellen auf drei Geschwister aus dem Bregenzer Grafenhaus zurück, die im 12. Jahrhundert in dem damals noch unbewohnten Wald Einsiedeleien errichteten.

Wandern wir auf dem Sagenweg von Alberschwende nach Andelsbuch, können wir auf Lehrtafeln am Wegesrand mehr über die mythischen Kraftorte erfahren. Am Ausgangspunkt der Wanderung ist die Wendelinkapelle zu besichtigen, unter der das Grab des Seelsorgers Merbod liegt. Seine Schwester Ilga ließ sich oberhalb des heutigen Schwarzenberg nieder. Dort gibt es gleich drei Ilga-Quellen, eine davon wurde in einen Brunnen gefasst. Das Wasser des Ilga-Brünnleins gilt als heilend bei Augenleiden und soll den Blick für das Wesentliche öffnen. Ihr Bruder Diedo legte mit seiner Klause den Grundstein für das heutige Andelsbuch.

Das Diedobrünnele, dessen Wasser ebenfalls heilsame Wirkung haben soll, finden wir hinter der Dorfkirche.Gibt uns Quellwasser das Gefühl von Reinheit, so verströmt ein Wasserfall unbändige Lebenskraft. Der Klauser Wasserfall bei Mellau ist mit 90 m der höchste im Bregenzerwald und schon deswegen einen Besuch wert. Die Wasserfall-Runde in Alberschwende führt durch eine reizvolle Wald- und Wiesenlandschaft in den Fallbachtobel. Ein schöner Platz an der Gumpe unter dem Wasserfall lädt zum Innehalten und Atemholen ein. Ganz Mutige nehmen die Lebenskraft des Wassers bei einem erfrischenden Bad in sich auf.

Kraftort Baum: Beschützer zum Anlehnen

Im Bregenzerwald sind Bäume ein wertvolles Naturgut, denn das Holzhandwerk und die Holzbaukunst haben hier seit Jahrhunderten Tradition. Die Menschen sind mit dem Werkstoff Holz eng verbunden, er prägt ihre häusliche und natürliche Umgebung.

In Alberschwende gibt es einen der ältesten Bäume Vorarlbergs zu bewundern. Das Alter der Dorflinde wird auf 800 bis 1000 Jahre geschätzt. Vermutlich wurde unter ihrer weit ausladenden Krone im Mittelalter Gericht gehalten. Heute wird der mächtige Stamm von einer Bank umringt – ein schattiger Ruheplatz mitten im Dorf. Weitere prächtige Linden – allesamt Naturdenkmäler – markieren das Dorfzentrum von Andelsbuch, Egg und Lingenau. Die Marienlinde in Sulzberg wurde schätzungsweise vor 700 bis 800 Jahren gepflanzt.

Im Jahre 1916 wurde in ihren hohlen Stamm eine Marienstatue mit Votivtafel eingefügt. Auf der Wiese hinter dem alten Pfarrhof setzen wir uns zu den Wurzeln der Linde ins Gras. Angelehnt an den knorrigen Stamm spüren wir das immense Alter des Baumes; die zeitlose Beständigkeit und Ruhe, die von ihm ausgeht. Kein Wunder, dass in der Mythologie Bäume als Mittler zwischen Himmel und Erde dargestellt werden.

In der Natur können wir Kraftorte intensiver spüren als in einer menschgemachten Umgebung. Der Aufstieg zur einsamen Waldalpe im Mellental lohnt sich also. Sieben alte Bergahorne erheben sich hier seit 400 Jahren in den Himmel, schützen mit dichtem Laubwerk Mensch und Tier vor Wind und Wetter. In Schatten ihrer moosbedeckten Äste atmen wir die frische Bergluft ein. Wir lassen den Blick über Berg und Tal wandern und verstehen, warum sich die Bäume diesen Ort ausgesucht haben.

Mit dieser Auswahl an Geheimtipps möchten wir Sie ermutigen, Ihre persönlichen Kraftorte im Bregenzerwald zu finden. Gehen Sie in Resonanz mit der Natur! Es gibt nichts zu beachten, nur eines zu beherzigen:

„Wo immer du bist, sei die Seele dieses Orts.“ – Rumi –

Mareike Dietrich

Textgestalterin – Autorin

Als Innenarchitektin und Texterin gestaltet Mareike Ideen, Räume und Sprache. Für Glücksmomente Charmingplaces berichtet sie über alles, was ihr am Herzen liegt und sie selbst glücklich macht.

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