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Die Ära der Grand Hotels

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Die Bilder wurden vom Grand Hotel Majestic zur Verfügung gestellt / Titelbild zeigt das Hotel um 1890

Belle Époque, schöne Epoche, wird die Zeit genannt, die auch die große Stunde der Grand Hotels einläutete. Wegbereiter waren die industrielle Revolution in Europa und eine ungewöhnlich lange Phase des Friedens nach dem Deutsch-Französischen Krieg. Zwar wurde die schöne Epoche durch eine Stimmung des allgemeinen Optimismus getragen, jedoch sind die Bilder der maßlosen Bourgeoise nostalgisch verklärt, da dieser Lebensstil doch nur den Wohlhabenden vorbehalten war. Dennoch sind die Grand Hotels ein Zeitzeugnis, weil sie das schöne Leben aus den privaten Gemächern an einen mehr oder weniger öffentlichen Ort verlagerten, auf dessen Spuren wir noch heute wandeln können.

Ein Ort dies zu tun, ist auch unser Charmingplace, das Grand Hotel Majestic am Lago Maggiore. Ein großes Hotel an einem großen See. Doch es ist nicht nur die Lage und die Bauart, die das Grand Hotel Majestic zu einer Gelegenheit macht, der großen Stunde seiner Gattung nachzufühlen.

Grand Hotel, das bedeutet erstmal nur großes Hotel. Jedoch steht das „grand“ auch für „grandeur“, also ehrgeizig. Ein ehrgeiziges Hotel hat den Anspruch besonders gut zu sein. Besonders gut ausgestattet, besonders anspruchsvoll. Deshalb gilt Grand Hotel auch als Synonym für Luxushotel. Jedoch ist es mehr als das.

Jedes Grand Hotel sollte wirken, als ob es in seinem Segment institutionelle Maßstäbe setzt, obwohl es diesen Maßstab nicht gibt. Ein Hotel braucht keine Sterne, um ein Grand Hotel zu sein. Es braucht das Selbstverständnis. Dennoch hat sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Art Regelwerk etabliert, das ein Grand Hotel erfüllen muss.

Luxus damals, Luxus heute

Blickt man auf die Preisliste des Grand Hotel Majestic aus dem Jahre 1896, sind dort eine Lampe oder eine warme Dusche als einzeln zu buchende Posten vermerkt. Damals gehörte Elektrizität und fließendes Wasser zum gehobenen Komfort und war eine Grundvoraussetzung für den Titel Grand Hotel, welches sich dadurch von der Norm abheben sollte. Ein Komfort, der sich mittlerweile in der westlichen Welt als das Minimum des Lebensstandards gemausert hat und der erste Grund, warum es heute schwer ist, das einstige Lebensgefühl der Grand Hotels aufrecht zu erhalten.

Aufgrund der allgemeinen Verfügbarkeit von Luxus heutzutage, definieren manche den Luxus im Schlichten, oder gar Verzicht. Andernorts lebt er von alter Opulenz, die schwer und staubig auf Kronleuchtern und Samtbezügen liegt. Wieder andere beziehen ihr Gefühl von Luxus aus allerlei Extras, denen ein gewisser monetärer Wert zuzuschreiben ist. Die verschiedenen Definitionen von Luxus in einer Unterkunft unterzubringen, ist nicht möglich, woran die institutionelle Idee der Grand Hotels scheitert.

Doch neben der luxuriösen Ausstattung gibt es ein weiteres großes Kriterium, das ein Grand Hotel definiert. Der Service.

Die letzte Concierge

Wenn Sie Gast im Grand Hotel Majestic sind, werden Sie vielleicht einer zierlichen Frau begegnen. Sie trägt keine Hoteluniform. Ihre Erscheinung ist von auffällig schlichter Perfektion. Auf den ersten Blick könnte Sie selbst Gast hier sein. Doch auf den zweiten umgibt sie eine andauernde Geschäftigkeit, eine Sicherheit, mit der sie sich durch das große Gebäude bewegt und eine Klarheit, mit der sie das Personal stets unaufgeregt delegiert. „Es gibt hier keine Concierges mehr“, sagt Mariangela Nieddu. Auf ihrer Visitenkarte und im Emailbetreff steht „Director of Sales & Management“. Doch alles, was Mariangela mir dann über ihre Arbeit erzählt, zeigt, dass sie womöglich einer aussterbenden Gattung angehört.

Ein*e Concierge hat offiziell in der Luxushotellerie die Aufgabe, kaufkräftige Hotelgäste zu erkennen und als Stammgäste zu gewinnen. Doch das wird den Concierges nicht gerecht, denn Concierge in einem Grand Hotel zu sein, ist vielmehr eine Lebenseinstellung.

Ein*e gute*r Concierge hat seine*ihre Augen und Ohren überall, bleibt aber immer diskret. Ein*e Concierge ist der*die Ansprechpartner*in für alle Erwartungen und Wünsche der Gäste. Ein*e Concierge merkt sich die Interessen, Gewohnheiten und Vorlieben seiner*ihrer Gäste und erfüllt diese bestenfalls, bevor sie diese überhaupt selbst erkennen können. Service der Meisterklasse. Und ein unermesslicher Schatz an Geschichten.

Mariangela erzählt von Betten, die sie mitten in der Nacht umgestellt hat, davon, dass kein Gast weiß, wie viele Sprachen sie wirklich spricht, von plötzlichen Todesfällen, adligen Besuchen, wie sie mit den Kindern der Gäste im Schlepptau durch das Hotel zieht und von der Wertschätzung ihrer Gäste, die das Hotel Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt aufsuchen.

Etwas bleibt

Seit seiner Eröffnung 1870 hat das Hotel oft sein Kleid gewechselt. Je nach modischen Bedürfnissen wurde umgebaut, ausgestattet, ergänzt und abgerissen. Mariangela weiß, wo man heute noch Spuren entdecken kann. Die originalen Flügeltüren zur Küche, die zum einstigen Restaurant führten, eine kleine Marienstatue im Garten, wo mal eine Kapelle stand, die steinerne Wendeltreppe, nur für das Personal zugänglich, die hinter den Hotelfluren über die ganzen fünf Stockwerke führt. So bleibt sie fit, erzählt Mariangela.

Mariangela erzählt aber auch davon, dass es nicht einfach sei, den kultivierten Anspruch eines Grand Hotels aufrecht zu erhalten. Die Zeiten haben sich geändert. Zwar ist es entspannt, dass man auch in Shorts in dem Hotelrestaurant speisen kann. Jedoch geht dadurch etwas von dem Eleganten, dem Exquisiten verloren. Auch der Gast muss seine Rolle erfüllen, dass ein*e Concierge Concierge sein kann.

Mariangela sieht sich nicht als eine Wächterin des Alten. Vielleicht will sie sich deshalb nicht als Concierge bezeichnen. Dennoch bewahrt sie gemeinsam mit dem Grand Hotel etwas.

Am einfachsten entdeckt man es auf der Terrasse, auf deren langen Ausläufern sich dünne Eisenstäbe zu geschwungenen Stühlen und Tischen formen. Zwischen den weißen Säulen liegt der große See, weich und glitzernd in der Sonne. Leise Musik ertönt und der Wind spielt in den Palmwedeln und der gestreiften Markise. Ansonsten ist es ganz ruhig. Auf der anderen Seite der Terrasse steht Mariangela, ins Gespräch mit einem Gast vertieft, als hätte sie alle Zeit der Welt. Wie das Hotel, das schon so viel gesehen hat, selbst die Belle Époque. Und sobald einen die Ruhe des alten Gebäudes ergreift, hört man die Mauern leise flüstern: Der Zauber ist, die schöne Zeit ist immer jetzt.

Mehr erfahren über die Grand Hotels

Hier stellen wir das heutige Grand Hotel Majestic, einen echten Charmingplace, ausführlich vor.

Eine große Empfehlung, um in die Welt der Grand Hotels einzutauchen, ist der Film Grand Budapest Hotel von Wes Anderson (falls Sie ihn noch nicht gesehen haben). Hier haben wir schon einmal darüber berichtet, warum die Andersons Filme sehenswert sind. Der Film ist derzeit auf Netflix verfügbar.

Unter dem Titel „Hotel-Legenden“ findet man auf YouTube gerade drei Folgen einer Dokureihe über geschichtsträchtige Grand Hotels. Hier erzählt ARTE worum es geht.

Auf den Spuren erloschener Grand Hotels macht sich diese ebenfalls etwas in die Jahre gekommene Doku der NZZ.

Spannend ist auch die Concierge-Vereinigung Les Clefs d’Or. Überall auf der Welt haben sich Concierges zusammengeschlossen, um ihren Beruf zu erhalten, Nachwuchs zu fördern und sich gegenseitig zu stärken. Schön aufgemacht ist die Seite der Les Clefs d’Or Suisse. Hier erfährt man einiges über den Beruf des Concierge.

Lea Biermann

Lea Biermann

Redaktion

Seit vielen Jahren schreibt Lea für Redaktionen & Unternehmen.
Bei Glücksmomente Charmingplaces erzählt Lea am liebsten über Menschen und ihre Leidenschaft, sowie Bücher oder Filme, die direkt ins Herz gehen.

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