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Primitivo, Negroamaro und Nero di Troia

Gianfranco Fino im Weinberg

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Er sagt, er sei nur ein Landwirt. Der Gambero Rosso war da offenbar anderer Meinung: er wählte ihn 2010 zum Winemaker of the Year. Gianfranco Fino war der erste Süditaliener, der diese große Auszeichnung nach Hause brachte. Es brachte der Weinregion viel Prestige, insbesondere dem Gebiet von Manduria.

Fino, der sich bisher mit Olivenbäumen und -öl beschäftigt hatte, kaufte 2004 einen Weinberg von gerade mal 1,3 Hektar. Dieser war bestückt mit Primitivo-Reben, die 50 Jahre und älter waren und in Buschform, als Albarellos, erzogen worden waren, weil deren Blätter den besten Schutz gegen die sengende Hitze bieten. Weil diese Reben zum Teil noch im letzten Jahrhundert gepflanzt worden waren, stehen sie nicht wie heutzutage in Reih und Glied, sondern eher zufällig und können nur von Hand oder mit dem Pferd bearbeitet werden. Fino und seine Frau Simona gingen mit Ehrgeiz und großer Leidenschaft ans Werk und retteten in der Folge ein gutes Dutzend Weinberge mit den knorrig-knüppeligen Büschen vor der drohenden Rodung.

Im Salento kauften sie einen kleinen Weingarten mit alten Negroamaro-Albarellos. Auf diesen zwei Rebbergen erzeugen die Finos ihre beiden wichtigsten Weine: ES und Jo. Der Primitivo ES heißt nach dem Urinstinkt, ganz nach Sigmund Freud, für die triebhafte Lebensfreude und den ungehemmten Genuss. Jo steht als Kurzform für das Ionische Meer, über dessen Ufer der Negroamaro auf 15 Metern über dem Meeresspiegel heranwächst. Beide sortenreinen Weine entstehen im naturnahen Anbau mit extrem reduzierten Erträgen pro Stock (400-800 Gramm), werden leicht überreif gelesen, vergären mit wilden Hefen im Stahltank und reifen anschließend neun bis zwölf Monate in 50% neuen Barriques. Vom ES gibt es im Durchschnitt 15.000 Flaschen, vom Jo knapp 2000.

Von jüngeren Weingärten kam 2013 ein weiterer reinsortiger Primitivo dazu: Se. Auch ein roter Süßwein Se più sole gehört zum Programm und ein Rosé Simona Natale als Spumante Classico. Gianfranco Finos Jahresproduktion liegt bei 23.000 Flaschen, erzeugt auf inzwischen 21 Hektaren.

Mit einer Rebfläche von 106.715 Hektar liegt Apulien mit Venetien und Sizilien mengenmäßig an der Spitze der italienischen Weinproduktion. Apulien besteht aus Hochebenen und Flachland mit einem trocken-heißen Klima und wenig Niederschlägen. Die Nähe des adriatischen und des ionischen Meeres sorgen für kühle Nächte, die für für den Anbau von Qualitätsweinen nötig sind. Alle sind typische Weine aus dem Süden von Italien: dunkel in der Farbe, kraft- und temperamentvoll im Gaumen, alkoholreich und meistens tanninstark. Die klassischen Rebsorten Primitivo, Negroamaro und Uva di Troia stehen derzeit bei den Konsumenten im Norden Europas hoch im Kurs.

Über den ES Primitivo di Manduria 2019 von Gianfranco Fino: Intensives, dichtes Rubinrot, funkelt leicht violett. Markante Düfte von Holunder, gedörrten Pflaumen, dunkler Schokolade begleitet von einem Hauch Gewürze, Safran und etwas Lakritz. Voller Gaumen mit Beerenfrucht, knackig, saftig. Spürbare feine Tannine, leicht salzig mit langem Nachhall. Die 16 Volumenprozent Alkohol fallen in der Frische und Präsenz nicht auf. Ein Verführer, der seinen Preis hat: Leider knapp über 50 Euro.

Nachfolgende Weingüter gehören mit ihrer Gesamtproduktion über die Jahre zu den persönlichen Favoriten des Autors:

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Gianfranco Fino, Sava, www.gianfrancofino.it

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Cantele, Guagnano, www.cantele.it

Conti Zecca, Leverano, www.contizecca.it

Chiaromonte, acquaviva delle Fonti, www.tenutachiaramonte.it

Garofano, Copertino, www.garofano.it

Leone de Castris, Salice Salentino, www.leonedecastris.com  

LiVeli, Cellino San Marco, www.liveli.it

Polvanera, Gioia del Colle, www.cantinepolvanera.it

Rivera, Andria, www.rivera.it

Torrevento, Corato, www.torrevento.it

Tormaresca, San Pietro Vernotico, www.tormaresca.it

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Alberto Longo, Lucera, www.albertolongo.it

Amastuola, Massafra, www.amastuola.it

Botromagno, Gravna in Puglia, www.botromagno.it

Carvinea, Casamassima, www.carvinea.com

Cantina Paololeo, San Donaci, www.paololeo.it

Castello Monaci, Salice Salentino, www.castellomonaci.it

Cosimo Taurino, Guagnano, www.taurinivini.it

Mottura Vini del Salento, Tuglie, www.motturavini.it

Plantamura, Gioia del Colle, www.viniplantamura.it

San Marzano, San Marzano di Giuseppe, www.sanmarzanowines.com

Tenute Rubino, Brindisi, www.tenuteubino.it

Terre dei Vaaz, Sammichele di Bari, www.terredeivaaz.it

Vallone, Lecce, www.agricolavallone.it

Vigna Liponti, Gioia del Colle, keine Website

Christian Wenger

Christian Wenger

Wein & Genuss – Autor

Seine Hauptbeschäftigung galt der Verlagsleitung und Geschäftsführung der Wirtschaftswoche, später dem ManagerMagazin und dem SPIEGEL. Heute geht er seiner Passion nach und schreibt über Weine, Weinproduzenten, Restaurants & Hotels und Kulinarisches u.a. für die Financial Times, Feinschmecker, Alles über Wein, den Stern, Manager Magazin und seine eigene Webseite winedine.de.

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