Trafoi und die Ortler-Alpen: (noch) ein echter Südtirol-Geheimtipp
Nachdem ich für mein Buch «Südtirol kulinarisch» monatelang mit dem Südtiroler Fotografen Udo Bernhard auf Entdeckungstour war, dachte ich, dass ich diese wunderschöne Alpenregion sehr gut kenne.
Nun aber habe ich eine für mich bislang noch unbekannte faszinierende Ecke von Südtirol entdeckt, im äußersten südwestlichen Zipfel des Landes, das Ortler-Gebirge mit dem Nationalpark Stilfserjoch. Ein landschaftliches Wow-Erlebnis und noch ein echter Geheimtipp.

Trafoi, das idyllische Minidorf am Fuße des Stilfserjochs, auf 1570 Meter gelegen, ist die Heimat der berühmten Skirennläufer Gustav Thöni, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger und später Trainer von Alberto Tomba.
Matteo Thun, einer der einflussreichsten zeitgenössischen Architekten und Designer, der den beeindruckenden neuen Ergänzungsbau des Hotel Bella Vista für seinen Jugendfreund Gustav Thöni gestaltet hat, meinte beim Anblick von der Terrasse des Hotels: «Hier hat man das Gefühl man kann die Natur umarmen und die Natur umarmt Dich». Besser kann man diese traumhafte Kulisse am Ortler nicht beschreiben.
Nachfolgend einige Ausflugstipps für den Sommer und Herbst, im Winter steht Skifahren auf dem Programm, und da ist man bei Gustav Thöni an der richtigen Adresse.


…wie diese alpine Straße der Romantik – zwischen Südtirol und Graubünden – landläufig genannt wird, war im Mittelalter eine bedeutende Handels- und Pilgerroute flankiert von zahlreichen Klöstern, Kapellen, Kirchen und Burgen.
Ein Tagesausflug mit vielen großartigen und sehr unterschiedlichen Erlebnissen ist die Fahrt von Trafoi über Schluderns, Glurns, und Taufers im Münstertal, das westlichste Dorf Südtirols. Von hier geht's nahtlos ins Engadiner Münstertal, im Kanton Graubünden.

Erster Stopp auf dieser Tour ist die Churburg, oberhalb von Schluderns gelegen, eine der schönsten und am besten erhaltenen Schlösser im Alpenraum.
Urkundlich erstmals erwähnt im Jahre 1259 verdankt es das heutige Aussehen den Grafen von Trapp, die es in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erwarben und in ein prächtiges Renaissanceschloss verwandelten. Bis heute ist das Schloss im Privatbesitz der Grafen Trapp.
Da es vor Zerstörungen verschont blieb, sind die prunkvollen Räume sowie der bemalte Arkadengang mit dem Renaissancegewölbe aus edlem Laaser Marmor eindrucksvoll erhalten. Einzigartig ist die private Rüstkammer mit 50 Rüstungen, die weltweit größte Sammlung dieser Art. Jedes Jahr im August finden auf der Wiese unterhalb des Schlosses die Südtiroler Ritterspiele statt.

Nach so vielen Ritterrüstungen ist ein Besuch bei PUNI, Südtirols erster und einziger Whisky-Destillerie genau das Richtige. Familie Ebensperger hat sich 2010 in der Nähe des bezaubernden Städtchens Glurns, ihren Traum von einer Whisky-Brennerei erfüllt.
Die Voraussetzungen Whisky herzustellen waren optimal, zum einen wegen des kristallklaren, weichen Alpenwasser vom Nationalpark Stilfserjoch, zum anderen sorgt der Roggen, der auf den kargen Vinschgauer Böden gedeiht, für ein exquisites, würziges Aroma. Während die traditionellen Kupfer-Brennblasen in Schottland handgefertigt wurden, ist das weithin sichtbare Bauwerk, ein 13 Meter hoher Kubus aus erdfarbenen Ziegeln, ein Werk des berühmten Südtiroler Architekten Werner Tscholl.
Die Destillate reifen einige Jahre in gebrauchten Bourbon-, Virgin-Oak- und Marsala-Fässern, vermitteln Whiskykennern aber zudem das besondere Flair des Vinschgaus, je nach Sorte von leicht fruchtig bis zu kräftig würzig Lassen Sie sich überzeugen!



Das pittoreske Städtchen Glurns, mit knapp über 900 Einwohnern, die kleinste Stadt Südtirols ist unbedingt einen Stopp wert. Bummeln Sie durch die historischen Laubengänge und lassen Sie sich vom mittelalterlichen Flair dieser von einer komplett erhaltenen Ringmauer aus dem 16. Jahrhundert umgebenen Ministadt verzaubern.
Wenn sich Hunger bemerkbar macht, sind Sie in Glurns genau richtig. Im bezaubernden Restaurant «Flurin» verwöhnt Thomas Ortler, der junge Shootingstar der Südtiroler Spitzenköche, die Gäste mit köstlichen regional-weltoffenen Kreationen und in seinem «Wirtshaus am Steinbock» mit typischer Südtiroler Küche. Mehr zu Glurns und Thomas Ortler siehe Charmingplaces Vinschgau.

Anschließend geht's durch die unberührte, reizende Landschaft des Münstertals nach Taufers, dem westlichsten Dorf Südtirols, direkt an der rätoromanischen Schweiz gelegen.
Das Gebiet rund um Taufers lädt ein zu wunderschönen Wandertouren, wo man oftmals nicht weiß ist man im schweizerischen Graubünden oder im italienischen Vinschgau.
Nur etwa 5 Minuten von Taufers entfernt, im Kanton Graubünden, liegt das beeindruckende Benediktinerkloster St. Johann, das seit 1983 UNESCO Weltkulturerbe ist.
Das Kloster kann auf eine 1250-jährige Geschichte zurückblicken und im dazugehörenden Museum, das sich in einem tausend Jahre alten Wohn- und Fluchtturm befindet, erhält man einen Eindruck über das Leben der Benediktinerinnen von einst bis heute. Zu bestaunen gibt es zudem archäologische Funde und faszinierende kunsthistorische Schätze.

Reinhold Messner, sicherlich einer der berühmtesten Südtiroler, will mit seinen fünf MMM Messner Mountain Museen den Blick auf die Berge und nicht auf seine Person richten. Jedes seiner Museen ist einem Thema gewidmet, die von einzigartigen Orten erzählen, insbesondere was geschieht, wenn sich Mensch und Berg begegnen.
Das MMM Ortles beschäftigt sich mit Eis in allen Formen, Mythen und Bedrohungen. Das Museum führt den Besucher unter die Erde, wie in eine Gletscherspalte, in eine unbekannte Welt. Zu sehen gibt es unter anderem Bilder vom Ortler aus zwei Jahrtausenden und man erlebt eine Kälte die nicht abschreckt und eine nicht bedrohende Dunkelheit.
Das kleine Museum ist für Menschen die sich für die Bergwelt interessieren, wie die Kraft einer Lawine, die Arktis und die Antarktis oder die unterschiedlichen Eisgebirge, ist dieses Museum unbedingt einen Besuch wert.



Nach dem Besuch verlockt gleich in der Nähe von Sulden eine Wanderung, die gute Balance verlangt und Nervenkitzel garantiert. Der Wanderweg führt von der Hintergrathütte Steig Nr. 2 über eine 44 m lange und 1,5 m breite Hängebrücke zum Steig Nr. 1, der zur Schaubachhütte führt.
Wer nicht schwindelfrei ist, sollte sich diese Überquerung gut überlegen, wobei der Blick auf das tosende Wasser in 22 Meter Tiefe und das umliegende Bergpanorama ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis ist.
Die Wanderung erstreckt sich auf etwa 2,8 Kilometer und man schafft den Weg in einer knappen Stunde. Anschließend hat man sich eine herzhafte Jause mit Speck, Kaminwurzen und Vinschgauer Paarl wohl verdient.

Die Straße hinauf in die Gletscherregion des Stilfserjochs auf 2760 m ist die höchste, asphaltierte Passstraße Italiens und der zweithöchste Gebirgspass.
Sie zählt zu den faszinierendsten Bergstraßen der Welt. 1825 wurde sie nach weniger als fünf Jahren Bauzeit eröffnet und galt damals als Weltwunder der Ingenieurskunst.
An Anziehungskraft hat die 49 Kilometer lange «Königin der Alpenstraßen» mit den 48 charakteristischen Kurven – vor dem Panorama des Nationalparks Stilfserjoch – bis heute nichts verloren.
Besonders für Motorrad-, Rad- und Cabriofahrer ist die Straße ein überaus gefragtes Ziel und beim berühmten Radrennen Giro d'Italia ist die herausfordernde Strecke die absolute Königsetappe. Auch mit einem ganz normalen PKW ist die Fahrt auf jeden Fall ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.


Es empfiehlt sich, nach der Passüberquerung auf gut ausgebauten Straßen weiter zu fahren – begleitet von traumhaften Ausblicken – zur Römertherme, die Bagni Vecchi, bei Bormio. Seit über zweitausend Jahren sprudeln mitten im alpinen Hochgebirge auf 1225 Meter heiße Thermalquellen aus dem Felsgestein mit Temperaturen zwischen 37 und 43 Grad Celsius.
Was damals die Römer zur Heilung von Krankheiten nutzten, führte im Mittelalter und später in der Renaissance und im Barock zu einem florierenden Badetourismus für Reiche. Im frühen 20. Jahrhundert wurde die Therme mit einem spektakulären Panorama-Außenpool ergänzt. Das Thermalwasser von Bormio zählt zu den mineralreichsten in den Alpen und der typische Schwefelgeruch wird schnell vergessen, wenn man erfährt, dass Schwefel entzündungshemmend wirkt und sich sehr positiv auf Hauterkrankungen auswirkt.
Die historische Anlage «Bagni Vecchi» thront beeindruckend auf einem Fels oberhalb von Bormio und es ist ein grandioses Labyrinth aus Badezimmern, Grotten und Dampfbädern, die teilweise noch aus der Römerzeit stammen. Das sogenannte Römische Bad, ein in den Fels gehauenes Becken aus dem 13. Jahrhundert, wird von einer 41 Grad Celsius heißen Quelle gespeist.
Ob man nur besichtigen oder sich in einem der Bäder entspannen möchte, die Fahrt dorthin lohnt auf jeden Fall, denn die Anlage mit den vielen Thermalbecken, Kaskaden und Grotten auf dem terrassierten Berghang mit fantastischen Panoramablicken ist grandios.


Im Valle di Fraele, in der Nähe von Bormio, gibt es zudem noch etwas ganz Außergewöhnliches zu entdecken, das vor allem auch Kinder begeistern wird. Im September 2025 entdeckte ein Naturfotograf Tausende von Dinosaurierspuren, die weit über 200 Millionen Jahre alt sind.
Wie es schien, war es einst ein riesiges Dinosaurier-Tal, das sich über mehrere Kilometer erstreckte. Die Abdrücke befinden sich auf einer senkrechten Felswand in einer Höhe von über 2000 Meter Höhe und die Spuren sind bis zu vierzig Zentimeter breit und klar und detailliert erkennbar.
Weil die Spuren an einer senkrechten Wand schwer zugänglich sind, wird diese grandiose Entdeckung Wissenschaftler noch viele Jahrzehnte beschäftigen. Aber bestaunen und der Fantasie freien Lauf lassen, kann man auch von unten mit Blick nach oben…

Schaut man im Bella Vista Hotel aus dem Fenster und sieht die eindrucksvolle Hochgebirgskulisse kommt der Wunsch eine schöne Wanderung zu unternehmen ganz von alleine. Der imposante Ortler, die Königsspitze, der zweithöchste Berg im Ortlergebirge oder der mächtigen Zebru – überwältigende Anblicke – aber vorwiegend Ziele für erfahrene Bergsteiger.
Aber auch wenn man nicht so hochgebirgserfahren ist, in den tieferen Lagen laden unzählige Pfade ein zum entspannten Wandern von Hütte zu Hütte oder auf gut ausgeschilderten Themenwegen.
Informieren Sie sich im Hotel nach interessanten Touren im Nationalpark Stilfserjoch und erfreuen Sie sich an der einzigartigen Flora und Fauna. Sie erfahren viel über die Wildblumen und Kräuter in dieser zauberhaften Bergwelt und auf allen Wegen laden Hütten ein, um sich mit einer zünftigen Jause zu stärken.



Das Ortlergebirge ist geprägt von alten Bräuchen, die sich meist mit dem Vertreiben des Winters beschäftigen. So ziehen am Unsinnigen Donnerstag die Zussln, junge Männer, farbenprächtig gekleidet, durch das Dorf Prad und vertreiben lautstark mit schweren Kuhglocken den Winter.
Ein sehenswertes Spektakel ist auch das Pfluagziachn in Stilfs, das alle zwei Jahre im Fasching stattfindet und bei dem die Dorfbewohner das bäuerliche Leben zwischen jung und alt, Mann und Frau, Einheimischen und Zugezogenen in Form von handgefertigten Holzfiguren in heiteren, parodistischen Szenen nachspielen.
Ebenfalls um das Vertreiben des strengen Winters dreht sich das traditionelle Scheibenschlagen das in vielen Dörfern am Ortler stattfindet. Mit archaischen Lärm und Feuerritualen vertreiben die Bewohner in der Abenddämmerung am ersten Fastensonntag Kälte und Finsternis um dem Frühling Platz zu machen.

In dieser faszinierenden Ecke Südtirols mit Ortler-Gebirge und dem Nationalpark Stilfserjoch finden sich selbstverständlich zahlreiche weitere sehenswerte Attraktionen - einige möchte ich Ihnen nachfolgend vorstellen.
Die Geschichte der mystischen Kapelle bei Trafoi, am Fuße des Ortlers reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wo einst der Hirte Moritz ein Wunder erlebte. Im 15. Jahrhundert wurde daraufhin dieses Kirchlein erbaut und ist seither ein Marienwallfahrtsort.
Den Quellen werden heilende Kräfte zugesprochen. Es ist ein gemütlicher Ausflug von Trafoi zu diesem ruhigen Wallfahrtsort.

Der Laaser Marmor gilt als der reinste und teuerste Marmor der Welt. Daraus hergestellte grandiose Skulpturen, Brunnen oder Vieles mehr sind weltweit zu bestaunen. Die Marmorbrüche liegen auf einer Höhe von 1500 bis 2250 m Höhe. Von 1930 an wurden die tonnenschweren Felsblöcke mit einer Marmorbahn ins Tal befördert, heute übernehmen LKWs den Transport und die Bahn ist ein Industriedenkmal. In Marmordorf Laas dreht sich alles um das wertvolle Gestein.
Konkurrenz bekommt der weiße Marmor nur zur Reifezeit der Marillen, die weit über das Vinschgau hinaus bekannt sind für ihr intensives Aroma. Im August findet jedes Jahr das beliebte Marmor- & Marillenfest statt, das viele Besucher anlockt.

Das zauberhafte Martelltal gehört zu den hübschesten Seitentäler Südtirols, das sich auf einer Höhe von 950 m bis zum Gletscher des Cevedale auf 3769 m erstreckt. Die unberührte Natur mit einer einzigartigen Flora und Fauna und die traumhafte Aussicht auf die Gletscherwelt des Ortlergebirges ist ein großartiges Wandergebiet für Anfänger und passionierte Bergfexen.
Hinzu kommt, dass sich auf einer Höhe von 909 m bis 1800 m das höchstgelegene Erdbeer-Anbaugebiet Europas erstreckt. Ab Juni, wenn die spätreifenden Erdbeeren den vollen Geschmack entwickelt haben, ein besonders lohnenswertes Ziel für Genießer.

Das Kloster Marienberg liegt auf 1340 m ü. d. M. und ist die höchstgelegene Benediktinerabtei Europas. Seit der Gründung im 12. Jahrhundert bis heute ist das Kloster in der Hand der Benediktinermönche. Es ist ein Ort der Ruhe, der Geschichte, der Arbeit und des Gebets. Die Kirche und die Krypta sind absolut sehenswert.
Im dazugehörenden Klostercafé, außerhalb der Klostermauern, kann man sich mit kleinen Leckereien stärken und die Aussicht auf die Landschaft des Obervinschgaus genießen.


Monika Kellermann
Wein & Genuss - Autorin
Monika Kellermann schreibt nicht nur seit vielen Jahren in Artikeln und Büchern über Wein und Genuss. Die Autorin ist auch Expertin für italienischen Lebensstil und kennt die Region rund um den Gardasee besonders gut, da sie dort neben München ihre zweite Heimat gefunden hat.
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