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Sehnsuchtsort Strandkorb: Cocooning mit Urlaubsgefühl

Erlebnistipp Nordsee

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Header-Foto in unserem „Erlebnistipp Nordsee: © Steffen Wagner, Pixabay

Unter den Füßen der weiche Sandstrand, vor Augen die schier unendliche Weite des Meeres. Am Horizont treffen sich Himmel und Wasser, Blau in Blau.

Glücklich ist, wer hier bequem zurückgelehnt im Strandkorb verweilt und der Sonne beim Auf- oder Untergehen zusieht. Wir haben für Sie einige Fakten und Anekdoten zum liebsten Urlaubsmöbel der Deutschen in unserem „Erlebnistipp Nordsee“ zusammengetragen.

Der Strandkorb, ein deutsches Kulturgut

Wer hat’s erfunden? Die Deutschen. Zugeschrieben wird die Erfindung des Strandkorbs dem Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann, der sich aber offenbar von bereits existierenden Vorläufermodellen inspirieren ließ.

Im Auftrag einer rheumatischen älteren Dame schuf er im Frühjahr 1882 einen einsitzigen Strandstuhl mit einer Haube aus Rohr- und Weidengeflecht, den er mit grauem Markisenstoff auskleidete. Für die Folgebestellungen entwickelte Bartelmann den windgeschützten Freisitz weiter – zu dem noch heute gebräuchlichen Zweisitzer mit Markise, Fußstützen und Seitentischen.

Seine geschäftstüchtige Frau eröffnete in Warnemünde und sechs weiteren Ostseebädern die ersten Strandkorb-Vermietungen. Der Beginn einer nationalen Erfolgsgeschichte. Heute werden an deutschen Stränden während der Badesaison schätzungsweise 130.000 Mietkörbe aufgestellt.

Strandkörbe sind – mit wenigen Ausnahmen – nur an der deutschen Nord- und Ostseeküste zu finden. Überall sonst werden Liegestühle bevorzugt. Selbst im benachbarten Holland währte die Liebe nur kurz. Nach dem zweiten Weltkrieg verdrängte auch hier der Liegestuhl den „Aufbewahrungskorb für Badegäste“.

Bunkern wir Deutschen uns lieber ein, als uns freizügig zur Schau zu stellen? Spöttische Erklärungsversuche verweisen auf die in deutschen Landen verbreitete Gartenzaunmentalität. Der Strandkorb sei das „Küsten-Äquivalent des Schrebergartens“.

Wie dem auch sei: Aus der häuslichen Geborgenheit aufs weite Meer zu schauen und dabei von grenzenloser Freiheit zu träumen ist schließlich nichts Verwerfliches. Und einen privaten Rückzugsort am öffentlichen Strand zu haben, auch nicht.

Körper, Kunst, Korb

Von Freiheit und insbesondere Freizügigkeit träumten wohl ebenfalls die Badegäste des beginnenden 20. Jahrhunderts. In den Badeorten herrschten strenge Moralvorstellungen, im Strandkorb saß man voll bekleidet. Kein Wunder, dass das vor Blicken schützende Möbel schnell zur heimlichen Liebeslaube avancierte.

Erlebnistipp Nordsee – Fotos: Unknown authors, Public domain, via Wikimedia Commons

Der in Lübeck aufgewachsene Schriftsteller Thomas Mann hatte anderes im Sinn. Ihm ging es darum, seinen Geist zu öffnen. Der Strandkorb sei sein „Arbeitsplatz, der herrlichste, den ich kenne“. Unter anderem weil die „schützenden Seitenwände des Strandkorbs, dieses von jung auf vertrauten und eigentümlich bergenden Sitzhäuschens“ jegliche Störung beim Schreiben verhindern.

Auch zeitgenössische Maler wussten die Vorzüge der Korbsessel zu schätzen und wählten sie hin und wieder als Motiv, um die Urlaubsatmosphäre am Meer einzufangen. Unter ihnen bekannte Impressionisten und Expressionisten wie Max Liebermann, Erich Heckel, Wassily Kandinsky und Karl Schmidt-Rottluff.

Traditionshandwerk seit mehr als 150 Jahren

Viele der heutigen Strandkorbfabriken sind traditionsreiche Familienunternehmen, deren Wurzeln auf die Pioniere der Branche zurückgehen. Auch wenn in manchen Korbmachereien die Arbeitsabläufe teilautomatisiert sind oder auf industriell vorgefertigte Einzelteile zurückgegriffen wird, kann doch die Hauptarbeit, das Flechten, nicht von Maschinen übernommen werden.

Für die Herstellung eines Strandkorbs arbeiten Tischler, Korbflechter und Polsterer Hand in Hand. Die Handwerker der Manufaktur Korbwerk auf Usedom benötigen drei Tage, um das Standardmodell aus über 200 Einzelteilen herzustellen.

Neben den Klassikern sind zahlreiche Sondermodelle im Programm. Einen Mausklick wert ist auf jeden Fall der goldene Strandkorb „Pompöös“, gestaltet vom Promi-Designer Harald Glööckler. Nicht so glamourös, sondern eher von eleganter Schlichtheit ist das Modell, dessen Fertigung Sie in einer Dokumentation des Südwestrundfunks mitverfolgen können.

Auch an der Nordseeküste kann man handgefertigte Strandkörbe erwerben. Unweit unseres Charmingplace, dem Hotel Seaside43, haben wir für Sie die Stiftung Mensch in Meldorf recherchiert, die in ihren Werkstätten Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Im Sortiment ein Kinderstrandkorb, der in Kombination mit einem Sandkasten und Planschbecken dem Nachwuchs echtes Nordsee-Feeling bescheren dürfte.

Sie möchten Ihren Strandkorb nur zeitweise im Urlaub mieten? In Sankt Peter-Ording geht das bequem per Online-Buchung.

Erlebnistipp Nordsee: Schlafen und Schwitzen im Strandkorb

Erwähnenswert sind nicht zuletzt die modernen Weiterentwicklungen des Strandkorbs. So kann man seit 2016 an verschiedenen Standorten in Schleswig-Holstein Schlafstrandkörbe als außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit mieten. Das wetterfeste Cabrio-Bett bietet Platz für zwei Erwachsene.

Für die überregionale Standortsuche und Buchung hat die Tourismus-Agentur von Schleswig-Holstein eigens eine Website eingerichtet.

Doppelte Erholung verspricht die Korbsauna, eine Erfindung zweier junger Start-up-Unternehmer aus Lübeck. Und für diejenigen unter Ihnen, die es wie die Autorin eher in die Berge als ins Flachland zieht, wurde der Alpenstrandkorb erfunden. Der Grat zwischen Kunsthandwerk und Kitsch ist bekanntlich schmal.

Wenn Ihr Wissensdurst noch nicht gestillt ist oder Sie die passende Lektüre zum Strandurlaub in Norddeutschland suchen, sei Ihnen „Das Buch vom Strandkorb“ von Moritz Holfelder ans Herz gelegt. Viel Freude beim Lesen – bequem zurückgelehnt im gestreiften Polster, beschattet von einer handgeflochtenen Haube.

Buchtipp

Moritz Holfelder
Das Buch vom Strandkorb
2. Auflage 2011
168 Seiten, zahlreiche Abbildungen
gebunden
ISBN 978-3-88042-767-9
Husum Verlag

Hier beim Verlag bestellen

Mareike Dietrich

Textgestalterin – Autorin

Als Innenarchitektin und Texterin gestaltet Mareike Ideen, Räume und Sprache. Für Glücksmomente Charmingplaces berichtet sie über alles, was ihr am Herzen liegt und sie selbst glücklich macht.

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