Ramsau bei Berchtesgaden: Die Lieblingsalmen eines Gastgebers im Bergsteigerdorf
von Hannes Lichtmannegger, Ramsau, zuletzt aktualisiert im August 2026
Ramsau bei Berchtesgaden, Hannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg | 8 Lieblingsalmen und stille Orte eines Gastgebers, der hier aufgewachsen ist | Sonnenuntergang auf der Schärtenalm mit Annemaries Kaiserschmarrn | Sonnenaufgang am spiegelglatten Hintersee vor dem Frühstück | für Wanderer, Almliebhaber und alle, die Ramsau abseits der Hauptwege erleben wollen | Berchtesgadener Land | Deutschland
Hannes Lichtmannegger ist im Berghotel Rehlegg aufgewachsen, das seiner Familie seit 1917 gehört. Bevor er mit 16 Jahren zur Ausbildung nach München ging, kannte er die Almen rund um Ramsau bereits von unzähligen Wanderungen mit seinem Vater.
Heute führt er das Vier-Sterne-Superior-Haus gemeinsam mit seinem Cousin und übergibt Stück für Stück an seine Tochter Stephanie. Mehr zu seiner Geschichte und seinem Einsatz für Nachhaltigkeit lesen Sie in unserem Porträt über Hannes Lichtmannegger.
Das Berghotel Rehlegg liegt auf einem Hochplateau oberhalb von Ramsau, mit Blick auf Watzmann und Reiteralm. Wer hier übernachtet, steht mit dem ersten Schritt aus der Tür bereits auf einem der Wege, die Hannes Lichtmannegger unten beschreibt.










Wer die klassischen Ziele der Region sucht, den Königssee, die Stadt Berchtesgaden oder das Salzbergwerk, findet sie ausführlich in unserem Artikel Geheimtipps Berchtesgadener Land.
Hier geht es um etwas anderes: um die Almen, Wege und stillen Ecken, die Hannes Lichtmannegger selbst am liebsten aufsucht, und die auf keiner Karte des Tourismusverbands in dieser Form zusammenstehen.



Ramsau ist Bayerns erstes Bergsteigerdorf, mit der höchsten Bergführerdichte Deutschlands und mehr Almen, als ein einzelner Urlaub abdecken kann. Ich zeige Ihnen die, auf die ich selbst immer wieder zurückkomme, nicht weil sie die bekanntesten sind, sondern weil ich weiß, wann man dort sein muss, wer dort oben kocht und warum sich der Umweg lohnt.
Wenn Sie nur einen einzigen Tag Zeit haben, schicke ich Sie morgens als Erstes an den Hintersee und danach, zumindest im Sommer, auf eine Alm. Das ist die ursprünglichste Art bayerischer Gastfreundschaft, die ich kenne.
Am schönsten ist der Aufstieg am späten Nachmittag. Oben genießen Sie den Sonnenuntergang über der Ramsau und wandern bei Mondlicht wieder hinunter. Annemarie kocht dort oben seit vielen Jahren den besten Kaiserschmarrn und einen Kuchen, für den sich der Umweg allein lohnt.

Ich erinnere mich an einen Abend, an dem wir auf dem Rückweg von einer Tour vom Blaueis noch einmal bei ihr eingekehrt sind, aus einer kurzen Pause wurde ein langer, lustiger Abend. Der Blick auf die Ramsau, während die Sonne hinter den Bergen verschwindet, gehört für mich zu den Momenten, für die man in dieser Gegend lebt.
Diese Alm liegt knapp hinter der Grenze oberhalb vom Hirschbichl, schon in Österreich, und ich zögere fast, sie zu empfehlen. Sie ist aktuell noch sehr ruhig, ohne viel Tourismus, und genau das schätzen auch die Einheimischen, die dort gerne einkehren. Man muss wissen, dass es sie gibt, denn sie liegt ein wenig versteckt.



Die Brotzeit dort oben ist unkompliziert und gut, und die Alm selbst wirkt urig und ursprünglich, ganz ohne Inszenierung. Wenn Sie Ruhe suchen, ist das der Ort, an dem Sie sie finden.
Der Hintersee selbst ist kein Geheimnis, die Uhrzeit dafür schon. Im Sommer liegt der See zwischen 6 und 7 Uhr morgens spiegelglatt und verlassen da, die Berge spiegeln sich im Wasser. Im Herbst ist es fast magisch, wenn der Nebel aufsteigt und sich die Farben rund um den See verändern.



Für den Wartstein starten Sie am besten am Parkplatz Seeklause: zehn Minuten am See entlang, dann links in den Wald, ein kleiner Pfad beim Pumpenhäuschen der Ramsauer Wasserversorgung schlängelt sich nach oben. Oben wartet eine kleine Bank mit Blick auf den Blaueisgletscher. Eine meiner ersten Wanderungen mit meinem Vater führte genau hierher, rund um den Hintersee und auf den Wartstein, das ist inzwischen Jahrzehnte her.
Den Königssee steuere ich in den Sommermonaten inzwischen selbst nur noch selten an, dafür ist er mir zu voll geworden. Ich schicke Gäste stattdessen an den Hintersee oder in den Nationalpark. Auch das Hirscheck mit der Bahn ist an Sommerwochenenden stark besucht, dort empfehle ich lieber die kleine, ruhigere Tour zur Halsalm mit ihrem schönen Blick auf den Hintersee.

Für den Weg durch die Wimbachklamm gibt es bei uns bereits einen eigenen, ausführlichen Artikel. Am Ende des Wegs liegt das Wimbachschloss, das ehemalige Jagdschloss von Prinzregent Luitpold, und dort geht es für mich weniger um die Landschaft als um das, was auf den Teller kommt: Wild-Spezialitäten direkt aus dem Nationalpark, zum Beispiel Gamsrücken, dazu ein passendes Glas Rotwein in geschichtsträchtigen Stuben.



An einem verregneten Tag ist genau diese Tour eine gute Wahl, die Klamm wirkt nach starkem Regen besonders eindringlich, das Rauschen ist an solchen Tagen kaum zu überbieten. An Regentagen gilt: im Tal bleiben, nicht zu weit aufsteigen, oder alternativ unser Wellnessbereich.
Diese Tour verbindet die Achenkanzel mit herrlichen Ausblicken, die kleine Kapelle bei Kühroint und die Schapbachalm, die Andi und Anna nur im Sommer bewirtschaften. Die Alm öffnet erst um 11 Uhr, deshalb plane ich sie eher auf dem Rückweg einer Tour ein, am späten Nachmittag, zur Stärkung. Für mich gibt es dort den besten Käse weit und breit.


Wer den Sternenhimmel genießen möchte, sollte abends zur Stubenalm aufbrechen. Der Weg ist breit und unkompliziert, es gibt kaum Lichtverschmutzung, und der Blick über die Ramsau ist weit. Am besten ist die Zeit kurz vor der Sommersonnenwende, dann sind die Nächte klar, der Sternenhimmel zeigt sich in voller Zahl, und man sieht das beleuchtete Watzmannhaus in der Ferne.

Auf der Bindalm dürfen im Sommer die Kühe vom Kressenlehen weiden, dem Hof meines Cousins. Mein persönliches Highlight dort ist der Schüsselkäse, den ich früher regelmäßig nach Radtouren mit nach Hause gebracht habe, für meinen Vater, als er selbst nicht mehr so oft hochkam.


Auf der Bindalm war ich schon als Kind sehr oft. Einmal haben wir unser Zelt und die ganze Ausrüstung mit dem Rad hochgefahren, die meiste Zeit geschoben, in einer Zeit ohne E-Bike, und dann mit meinen Cousins und Brüdern versucht, Fische im Bach fürs Abendessen zu fangen. Die Sennerin hatte damals Mitleid mit uns und hat uns etwas zu essen gegeben. Zelten ist dort oben heute übrigens nicht mehr erlaubt.
Für die ausführliche Tourenbeschreibung mit dem E-Bike, samt Streckenverlauf und Höhenmetern, verweisen wir auf den Blogbeitrag des Rehlegg.

Der häufigste Fehler, den ich bei Gästen sehe, ist die Uhrzeit: Wer erst nach einem gemütlichen Frühstück gegen 10 oder 11 Uhr aufbricht, trifft auf mehr Menschen und im Sommer oft schon auf Hitze. Auch die Länge der Touren und vor allem die Höhenmeter werden häufig unterschätzt, im Gebirge gehen die Kräfte schneller aus als im Flachland. Fragen Sie im Zweifel unseren Concierge, was für Sie realistisch ist. Wer Menschenmassen zuverlässig verpassen will: in den Ferienzeiten die Wochenenden im Tal verbringen, Ausflüge unter der Woche planen oder spätestens mittags wieder zurück sein.
Die reinen Alm-Erlebnisse mit Bewirtschaftung, wie auf der Schapbachalm oder der Kammerlingalm, sind nur im Sommer möglich, weil die Almen sonst geschlossen haben. Der Hintersee bei Sonnenaufgang, die Wimbachklamm nach Regen oder der Sternenhimmel im Winter funktionieren dagegen zu jeder Jahreszeit, nur eben mit einem anderen Licht.




Wer selbst bei uns übernachtet, muss für zwei dieser Momente das Haus nicht einmal verlassen. Im Frühjahr genieße ich die ersten warmen Sonnenstrahlen nach einer Runde im Schwimmbad, morgens, bevor das Frühstück beginnt, mit der ersten Tasse Kaffee und Blick auf den Watzmann. Im Winter glitzert der Schnee in klaren Nächten im Sternenlicht, mit der Ramsauer Kirche im Tal darunter.
Mehr zu den Zimmern, dem Spa und der Küche des Hauses finden Sie auf unserer Domizilseite zum Berghotel Rehlegg.


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