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Sergio Bambarens spiritueller Roman „Das weiße Segel“

Buchtipp "Sergio Bambaren Das weiße Segel

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Foto oben: © shutterstock, Alex Stemmers

Das junge, neuseeländische Paar Kate und Michael führt ein geregeltes, weit im Voraus geplantes Leben. Ihr Alltag wird vom Streben nach beruflichem Erfolg und finanzieller Sicherheit bestimmt.

Ziele wie die baldige Familiengründung und den späteren Ruhestand haben sie fest im Blick – doch sich selbst und ihre Beziehung verlieren sie darüber zunehmend aus den Augen. Michaels Bürojob beschert ihm neben einem Übermaß an langweiliger Routinearbeit eine spektakuläre Aussicht auf die Bucht von Auckland. Segen und Fluch zugleich, wie er findet.

Denn die Weite des Meeres lässt ihn die Enge seines selbst geschnürten Lebenskorsetts umso stärker spüren. Der pazifische Ozean wird zu seinem Sehnsuchtsort, zur Projektionsfläche seines unterdrückten Freiheitsdrangs.

Als ihm in seinem Lieblingsbuchladen ein Band mit Texten von Henry David Thoreau, Ralph Waldo Emerson und anderen in die Hände fällt, beginnt er zu begreifen, wie wichtig es ist, auf seine innere Stimme zu hören.

Von heute auf morgen treffen Kate und Michael eine mutige Entscheidung: Sie kündigen ihre Arbeit, trennen sich von all ihrem Besitz, kaufen ein altes Segelschiff und brechen zu einer Reise ins Ungewisse auf.

Gemeinsam folgen sie dem Ruf ihres Herzens – auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung.

Winzige Inseln inmitten riesiger Wassermassen

Auf ihrem rund ein Jahr dauernden Törn entdecken sie die Naturwunder der traumhaft schönen Südseeinseln.

Von Auckland aus steuern die beiden zuerst die Kermadec Islands an und segeln dann nach Tonga weiter. Über die Fidschis gelangen sie bis zur Inselgruppe Vanuatu, dem nördlichsten Umkehrpunkt ihrer Seereise.

Nach einem längeren Aufenthalt in Neukaledonien und einem Zwischenstopp auf den Norfolk Islands laufen sie mit ihrer Yacht Distant Winds wieder in den Heimathafen ein.

Kate und Michael haben bei ihrer Rundtour im Südpazifik über 6.000 Seemeilen (11.112 km) zurückgelegt, komplett auf sich allein gestellt. Angesichts der unendlichen Weite des Pazifiks, des größten und tiefsten Ozeans der Erde, eine unglaubliche Leistung.

Besonders wenn man liest, dass sich die Segelerfahrung der beiden auf Wochenendtörns in der Bucht von Auckland beschränkte.

Über das das Buch Sergio Bambaren Das weiße Segel

Solche kleinen Unstimmigkeiten scheint der Autor gezielt einzusetzen, um die Moral der Geschichte noch deutlicher zu machen. Des Öfteren fragt man sich beim Lesen: Wie ist das möglich?

Sergio Bambaren fordert seine Leserschaft leidenschaftlich auf, wie die Protagonisten des Romans über sich selbst hinauszuwachsen und an das Unmögliche zu glauben. „Die Welt ist mehr als das, was wir sehen“ und „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ sind die Lehren, die wir aus der Lektüre des Buches ziehen können.

Um unsere Sinne zu öffnen für das Wunderbare im Leben, führt Bambaren eine metaphysische Ebene ein.

Kate und Michael werden von einem mysteriösen Buch und ihrer neu erwachten Intuition sicher durch ihr – mitunter stürmisches – Segelabenteuer geleitet. Als sie das Buch, ein Abschiedsgeschenk von Michaels Buchhändler, zum ersten Mal öffnen, steht nur auf der ersten Seite etwas geschrieben. Alle anderen Buchseiten sind leer.

Aus der Widmung entnehmen sie, dass der rätselhafte Thomas Blake schon lange vor ihnen von ihrer Abreise gewusst haben muss.

Unterwegs auf dem Meer öffnet sich das Buch immer wieder von allein. Auf der aufgeblätterten, vormals weißen Seite ist dann auf geheimnisvolle Weise Text erschienen. Entweder ein zur Situation passender Ratschlag von Thomas Blake, Sinnsprüche von realen Literaten oder eine philosophische Erkenntnis, zu der die Reisenden selbst gekommen sind.

Stell dir etwas vor,
und du wirst es erreichen.
Träume davon,
und du wirst dazu werden.
Vertraue dir selbst,
denn du weißt mehr,
als du glaubst.

Nur wer seine Träume lebt, kann die Sehnsucht stillen

Während ihrer Fahrt ins Blaue erleben Kate und Michael unvergessliche Momente in der Natur. Auf hoher See begegnen sie Delfinen und Walen, an Land erfreuen sie sich an der prachtvollen Vegetation der tropischen Inseln.

Bei ihren Landgängen begegnen ihnen immer wieder Menschen, die ihr Segelboot – die Distant Winds – erkennen und das Paar zu sich einladen.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass Blake auch im Leben dieser Aussteiger das Schicksal gelenkt hat. Alle berichten das Gleiche: ihren Weg gefunden zu haben und jetzt ein selbstbestimmtes, freudvolles Dasein zu führen. Offenbar sind sie ebenfalls den Weisheiten des magischen Buchs gefolgt:

Unter allen Wegen,
die du im Leben einschlagen kannst,
befindet sich einer,
der bedeutsamer ist als alle anderen.
Dies ist der Pfad, der dich verändern
und zu einem wahren Menschenwesen machen wird.

Die Geschichte klingt utopisch? Ist sie nicht, zumindest nicht gänzlich.

Sergio Bambaren hat selbst erlebt, wovon er schreibt. Wie alle seine Romane trägt auch der fiktive Reisebericht Sergio Bambaren Das weiße Segel (im Original: „Distant Winds“) autobiografische Züge.

Der begeisterte Surfer nahm sich in den Neunzigern eine berufliche Auszeit, um nach der perfekten Welle zu suchen. An einem Strand in Portugal fand Bambaren stattdessen den Sinn seines Lebens und einen ganz besonderen Freund.

Seine Erlebnisse mit einem einsamen Delfin inspirierten ihn zu seinem ersten Roman „The Dolphin, The Story of a Dreamer“. Quasi über Nacht wurde er vom Ingenieur zum Bestsellerautor. Seitdem hat er über 30 Bücher veröffentlicht, die sich mit Spiritualität und dem Ozean beschäftigen.

Nach Reisen um die ganze Welt lebt Sergio Bambaren heute wieder in seiner Geburtsstadt Lima in Peru.

Das wahre Leben, die wahre Liebe

Bambarens Romane erzählen von den grundlegenden Sehnsüchten der Menschen. Vom Wunsch nach Liebe, Freiheit und Frieden. Von dem tiefen Verlangen, loslassen zu können und neu anzufangen. Und von der Hoffnung, dass unser Leben einen tieferen Sinn hat und dass wir auf unserem Weg von einer höheren Macht geleitet werden.

Seine schlichte, aber ergreifend emotionale Erzählweise mag vielleicht dem Vergleich mit „großer Literatur“ nicht standhalten. Vielleicht muss sie das auch gar nicht. Es braucht keinen äußeren Bezugsrahmen, um etwas in unserem Inneren erklingen zu lassen.

Die Geschichte über Kates und Michaels auf dem Meer wiedergefundene Liebe ist ganz ohne literarische Komplexität einfach nur schön zu lesen.

Fun Facts für Segler

Auckland wird oft als „City of Sails“ („Stadt der Segel“) bezeichnet, da es an den Küstengebieten zahllose Yachthäfen gibt.

Westhaven Marina nahe der Auckland Harbour Bridge ist mit etwa 1.400 Boots-Stellplätzen nicht nur der größte Yachthafen der Stadt, sondern der ganzen Südhalbkugel. Außerdem gibt es in keiner anderen Stadt der Erde so viele Segelboote pro Einwohner wie in Auckland.

Hier gibt’s das Buch
Sergio Bambaren Das weiße Segel

Erschienen im Piper Verlag am 01.11.2002
Übersetzt von Barbara Röhl
192 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-23711-6

Beim Verlag bestellen

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Mareike Dietrich

Textgestalterin – Autorin

Als Innenarchitektin und Texterin gestaltet Mareike Ideen, Räume und Sprache. Für Glücksmomente Charmingplaces berichtet sie über alles, was ihr am Herzen liegt und sie selbst glücklich macht.

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2 Kommentare

  1. Ach wie wunderschön geschrieben! Danke! Das Buch bestell ich mir sehr gerne! Vielen lieben Dank! Schönen Sommer liebe Mereike 🙏🏻

    1. Es freut uns, dass Ihnen unser Buchtipp gefallen hat, ich werde es an Mareike weitergeben! Herzliche Grüße, Anja Fischer

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