Olé! 10 Tage durch Andalusien
(dropcap]D[/dropcap]er Süden von Spanien ist ein Sehnsuchtsort, seit meinem ersten Besuch in Andalusien fühle ich mich dort zu Hause.
Blaues Meer, faszinierende Geschichte, unendliche Sandstrände und einige der malerischsten Städte Europas scheinen jedes Mal nur darauf gewartet zu haben, dass ich wiederkomme und dort weitermache, wo ich aufgehört habe: beim Tapas-Snacken auf den Spuren der Mauren.
Dass die Berber nicht mehr gehen wollten, als sie 710 hier einfielen, kann ich verstehen. Ich möchte auch nicht mehr weg von Andalusien. Deshalb lade ich Sie ein, mich auf eine Rundreise durch Andalusien und den Süden Spaniens zu begleiten. Viva la vida!






Warme Sommer mit Temperaturen über 30 Grad und kühle Winter, bei denen die Temperatur oft zwischen 0 und 10 Grad liegt, charakterisieren Andalusien. Die besten Reisezeiten sind daher Frühling und Herbst.
Der vorgeschlagene Roadtrip durch Andalusien dauert ungefähr zehn Tage. Wer mag, kann es aber auch etwas gemütlicher angehen und die Reise auf zwei Wochen ausdehnen.

Unser Roadtrip startet in Granada. Zur Zeit der islamischen Besetzung war Granada, wo heute 232.000 Menschen leben, der wichtigste Knotenpunkt des maurischen Reichs, und auch die letzte von den Katholiken zurückeroberte Stadt. Über 700 Jahre dauerte die Herrschaft der Mauren, deren Spuren überall in Granada zu sehen sind. Heute ist die Stadt ein Schmelztiegel der maurischen und spanischen Kulturen.
Granada ist vor allem bekannt für die Alhambra, die „Rote Burg“, eine der beeindruckendsten Palastanlagen der Welt, ein Meisterwerk der maurischen Architektur. Der Aufstieg dauert zu Fuß etwa 40 Minuten entlang der Carrera del Darro am Fluss und den historischen Häusern entlang. Bezaubernd! Alternativ gibt es aber auch Busse.




Die Alhambra gehört zu den meistbesuchten Touristenattraktionen Europas. Tickets sind in der Hochsaison oft schon vier Wochen im Voraus ausgebucht, also unbedingt rechtzeitig den Besuch planen. Der lohnt sich allerdings für jeden, der sich für Geschichte, Architektur und Ästhetik interessiert.
Die verschiedenen Räume, Gärten, Brunnen und Innenhöfe des Palastes nehmen einen mit in die Geschichten von Tausendundeiner Nacht. Und was für eine Aussicht über ganz Granada! Dahinter sind die Ausläufer der Sierra Nevada mit ihren weißen Gipfeln zu erkennen.
Auch in der Altstadt ist das orientalische Flair an allen Ecken zu spüren. Es lohnt sich auch, über den Mercado Artesiana zu bummeln. Hier ist der ideale Ort, um Souvenirs und Andenken zu finden.
Auf unserer Rundreise durch Andalusien führt nun der Weg etwa 200 Kilometer in den Norden, nach Córdoba. Die Stadt ist eine der schönsten in ganz Spanien und macht Sevilla Konkurrenz, wird dabei aber gerne von den Touristen übersehen. Die Puento Romano, eine große Brücke aus der Römerzeit, beeindruckt fast so wie die Mezquita-Kathedrale.




Zu den beliebtesten Stadtteilen von Córdoba gehört das Jüdische Viertel, wo ein besonderer Zauber herrscht. Zahlreiche Postkartenmotive, ein Palast, Plätze und Gassen stehlen einem das Herz. Ob Sevilla wirklich schöner sein wird, enthüllt eine Autofahrt von gut eineinhalb Stunden.
Schon der italienische Komponist Gioachino Rossini sah in Sevilla die Stadt der Leidenschaft, von Freiheit und Intrigen und ein Sinnbild südlichen Lebensgefühls. Deshalb spielt seine Oper Der Barbier von Sevilla auch hier, obwohl Rossini selbst die Stadt nie besucht hat.
Sevilla ist aber tatsächlich überwältigend schön, voll von architektonischen Meisterwerken verschiedenster Epochen. Der Bau des ehemaligen Königspalasts, ein UNESCO-Weltkulturerbe, wurde bereits im Jahr 913 begonnen und im Laufe der Zeit ließen es sich die Herrscher nicht nehmen, ihre eigene Baukultur am Palast zu verwirklichen. Maurische Baumeister aus Granada haben den Stil jedoch hauptsächlich geprägt, typisch sind die Arbeiten aus Keramik und die holzgeschnitzten Decken.





Vor der Kathedrale von Sevilla kann die Warteschlange auch etwas länger sein. 1401 wurde mit deren Bau begonnen, es ist ein beeindruckendes Gebäude und das Wahrzeichen der Stadt. Ziel war es bereits bei der Planung, die Besucher zum Staunen zu bringen, es ist das drittgrößte Gotteshaus der Welt.
Und auch hier verschmelzen westliche und orientalische Architektur zu einem harmonischen Ganzen von außerordentlicher Schönheit. Christoph Kolumbus soll hier begraben sein, oder zumindest Teile von ihm. Genug von den städtischen Sehenswürdigkeiten?
Dann ab ans Meer! Die Küste des Lichts und ihre weiten Strände haben nichts mit den klassischen Touri-Destinationen zu tun. Kilometerweit erstrecken sich die Sanddünen entlang der Atlantikküste.

Dass das Wasser hier kühler, die Winde rauer sind als an der nahen Mittelmeerküste ist nicht zu leugnen. Trotzdem kann mit der Costa de la Luz kein anderer Küstenabschnitt mithalten.
Frei weidende Kühe genießen da die Ruhe, am Horizont ist die Küste Afrikas zu erkennen, ein Strand geht in den nächsten über. Es ist das Gefühl von Freiheit, das man hier mit dem Wind einatmet.


Unser nächstes Ziel ist Jerez de la Frontera. Zahlreiche Städte in der Gegend tragen den Beinamen „de la Frontera”. „Frontera” bedeutet „Grenze“ und die Städtenamen weisen noch heute darauf hin, wie umkämpft die Orte Andalusiens zwischen Mauren und Katholiken waren, die Grenze verlagerte sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte von einer Stadt zur anderen.
Im Land der Pferde, des Flamenco und des Sherry bleibt kein Herz kalt und kein Glas trocken. Besonders edle Kartäuserpferde werden hier gezüchtet, es ist die älteste Pferderasse Europas. Die Tiere sind sanft, geduldig und widerstandsfähig. Jeden Samstag findet während der Saison eine Reitshow der Andalusischen Dressur in Jerez de la Frontera statt.




Typisch sind die vielen Weinkellereien, die Bodegas, welche in der gesamten Stadt zu Weinproben einladen. Sherry darf sich nur der Wein nennen, der aus dem Sherry-Dreieck zwischen Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María stammt.
Alles am Sherry ist unverwechselbar, es ist das Zusammenspiel von Klima, Böden und Herstellung, die dem Wein sein besonderes Aroma verleihen. Bei einer Führung durch den Weinberg kann man viel über die Weinherstellung in Andalusien lernen und Weinproben kommen selbstverständlich auch nicht zu kurz.
Ronda gilt als das schönste Weiße Dorf Andalusiens und thront auf einem Felsplateau über der Schlucht El Paso, darüber führt der Puento Nuovo, die Brücke ist das Wahrzeichen der Stadt. 1785 wurde die älteste Stierkampfarena in Ronda eingeweiht, zum Glück wird diese nur noch einmal im Jahr genutzt. Auch ohne Blutvergießen ist die Arena architektonisch interessant und immer einen Besuch wert.

Viele Durchreisende haben sich in Ronda verliebt. Der Regisseur Orson Wells fand hier sogar seine letzte Ruhestätte, der geniale Schriftsteller Ernest Hemingway war auch schon da. Vom Plateau aus ist die Aussicht atemberaubend. Selbst Rilke schwärmte schon von der „vornehmsten Ferne“, die sich hier auftut.

Nur eine knappe Stunde von Ronda entfernt warten die Weißen Dörfer der Sierra de Grazalema. Jedes besonders, jedes einzigartig, jedes wunderschön. Zahara de la Sierra ist berühmt für seine Olivenhaine, sie erstrecken sich um das Dorf herum, so weit das Auge reicht.
Der Olivenanbau hat in der Region eine lange Tradition, geerntet wird nur von Hand. Das liegt einerseits an den steilen Feldern, aber auch am Respekt vor den Leccino-Olivenbäumen, die durch die manuelle Ernte geschont werden. Die besondere Qualität des Öls kann man schmecken. Unbedingt eine Flasche natives Olivenöl als kulinarisches Andenken heimbringen.



In Grazalema beeindruckt die wilde Bergwelt, das Kalksteingebirge ist hier bis zu 1.100 Meter hoch. Überall im Weißen Dorf plätschert Wasser aus zahlreichen Brunnen. Nirgendwo sonst in Andalusien regnet es so viel wie in Grazalema.
Erzeugnisse aus Schurwolle werden hier dank des Reichtums an Wasser noch mit traditionellen Methoden hergestellt. Die hochwertigen Decken, Ponchos, Schals und Plaids sind in purer Handarbeit hergestellt – eine Investition in so ein weiches Mitbringsel lohnt sich.
Nicht nur eine leckere Eissorte, sondern die zweitgrößte Stadt in Andalusien ist Málaga, unsere letzte Etappe der Rundreise durch Andalusien. Vom ersten Moment an fühlt sich die Stadt einladend an, sie scheint immer gute Laune zu versprühen.
Selbstverständlich geht nichts an der monumentalen Kathedrale und am Römischen Theater vorbei. Der großartige Maler Pablo Picasso wurde in Málaga geboren, deshalb bietet sich auch der Besuch im hiesigen Picasso-Museum an.



Ein kleiner Tipp: Auch wer nur wenig Zeit in Andalusien hat, sollte eine Flamenco-Darbietung nicht verpassen. Im Flamenco-Restaurant Alegría im Zentrum finden täglich Vorstellungen statt.
Dramatisch, rhythmisch und mitreißend ist der Flamenco, ein immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Dabei versteht man unter Flamenco nicht nur den Tanz, sondern vielmehr ein Zusammenspiel aus Gesang, Musik und Tanzbewegungen. Auch, wer kein Spanisch versteht, kann bei den leidenschaftlichen Darbietungen emotional werden.




Jerez de la Frontera ist ein Insider-Tipp, um solche Vorstellungen ohne Touristen-Schnickschnack zu erleben. In Sevilla hingegen sollte man auf keinen Fall das einzige Flamenco-Museum der Welt verpassen, wo auch fast täglich Vorstellungen stattfinden.
Im Museum wird klar, wie sehr es bei der Kunstform um ein Lebensgefühl geht. Kastagnetten, Gitarre und Gesang, typische Handbewegungen und Rhythmen – jedes der Elemente hat eine unterschiedliche Herkunft, wurde von den spanischen Roma vermischt und zu dem gemacht, was wir heute als Flamenco kennen.
Überall gibt’s Tapas! Die sind zwar (noch) kein UNESCO-Weltkulturerbe, hätten es aber verdient. Die kleinen Häppchen werden zum Aperitif serviert, der in Südspanien vom frühen Nachmittag bis ziemlich spät abends stattfinden kann. Dazu gehört selbstverständlich ein Glas Sherry.



Wenn Sie jetzt Lust haben, direkt nach Spanien zu fliegen, hilft Ihnen Geotoura bei der Reiseplanung. Sollten Sie noch etwas Zeit brauchen, um sich für ein Reiseziel zu entscheiden, empfehle ich Ihnen meinen Artikel zu Sizilien. Viel Spaß beim Lesen und Träumen!


Lydia Stöflmayr
Texterin & Autorin
Lydia ist freie Texterin, Autorin und Dolmetscherin. Sie liebt es, neue Sprachen, Kulturen und Mentalitäten kennenzulernen. Dabei spielt Sprache eine wesentliche Rolle und eben vor allem die richtigen Worte zu finden. Diese Aufgabe hat sie zu ihrer Profession gemacht.
Mehr über Lydia erfahren
Wir müssen nicht verreisen, um das Lebensgefühl eines Ortes zu spüren. Holen Sie sich den Urlaub nach Hause. Für die Vorfreude, Erinnerung oder einfach so.
Es ist eine spannende Spurensuche, auf die man sich begibt, um die Einflüsse der andalusischen Kultur zu erforschen.
Über Andalusien liegt eine undefinierbare Stimmung, die wie Staub die Baudenkmäler bedeckt, die erahnen lassen, was dieses entrückte Gefühl verursacht.
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