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Der Retter der bayerischen Heimatfilme

medientipp Tegernsee Heimatfilme Wer früher stirbt ist länger tot

Illustration: Burak Eser

Wenn jetzt da Sepp und da Mascht, da Hubert, da Fonse, da Biachla Hans und da Pauli, wenn die alle no am Lebm wan, ja dann hät ma koan Plotz mehr am Stammtisch..“ Bayrische Wirtshaus-Weisheiten wie diese haben 2006 dafür gesorgt, dass Wer früher stirbt ist länger tot zu einem Überraschungserfolg wurde, so sagt man. Überraschung deshalb, weil das Image von Heimatfilmen aus dem Freistaat verstaubt im hintersten Winkel eines Vorkriegsgebäudekellers vor sich hin vegetierte und weil wohl keiner nach der Jahrtausendwende damit rechnete, dass man eine Geschichte in Dialekt deutschlandweit so gut erzählen kann.

Die Komödie beginnt damit, dass der elfjährige Sebastian überzeugt wird, für den frühen Tod seiner Mutter verantwortlich  zu sein, weshalb er diesen eines Tages im Fegefeuer büßen muss. Um seinem sicheren Schicksal zu entgehen, will Sebastian herausfinden, wie er diese Sünde wieder gut machen kann und stößt damit eine Reihe von lustigen Ereignissen mit guter Intention und katastrophalen Ausgang an. Verpackt ist die Geschichte in einer klischee-typischen oberbayerischen Welt, geprägt von klerikaler Mentalität aus der Perspektive eines Heranwachsenden, die die Logik der Erwachsenen in Frage stellt. Und das alles im bayerischen Dialekt.

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Die junge Perspektive in einer angestaubten Welt zeichnet gleich mehrere von Marcus H. Rosenmüllers Filmen aus. Auch Schwere Jungs, die Trilogie Beste Zeit, beste Gegend und beste Chance, Räuber Kneißl, Sommer in Orange oder Wer’s glaubt, wird selig spielen in Bayern. Der Regisseur und Drehbuchautor selbst stammt aus dieser Welt und seine Geschichten erzählen vielleicht etwas über die Grenzen, die er selbst überwinden musste. Auf seinem Lebensweg aus der Gemeinde Hausham nahe dem Tegernsee über die Münchner Filmhochschule bis auf die deutschen Kinoleinwände.

Wenn Marcus H. Rosenmüller jedoch davon berichtet, klingt das ähnlich gelassen, wie wenn ein paar Oberbayern in Wer früher stirbt ist länger tot die Sinnhaftigkeit der ewigen Ruhe erklären. Es ist die Ja mei Mentalität, die da mitschwingt und die auch seine Filme so sehens- und liebenswert machen. Selbst – oder gerade – die großen Themen sind frei von Pathos.

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Sentimental ist vielleicht das nachträglich hinzugefügte H in seinem Namen. Das steht nämlich für Hausham. Man sagt, um sich von dem gleichnamigen Regisseur Marcus O. Rosenmüller zu unterscheiden, vielleicht aber auch als Widmung an die eigene Heimat. Obwohl keiner seiner Filme an den Erfolg von Wer früher stirbt ist länger tot anknüpfen konnte, ist Marcus H. Rosenmüller heute ein bayerischer Volksheld. 2019 wurde der Regisseur mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Was Marcus H. Rosenmüller wohl dazu gesagt hat? Vielleicht sowas wie sein Protagonist Sebastian. Der wird vom (für die Provinz etwas exzentrischen) Radiomoderator Alfred Dorstreiter mit den Worten „Dat i sogn, machma dich a mal unsterblich“ zum Gitarren-Auftritt aufgefordert. Das wird man nämlich, wie Jimmi Hendrix durchs Gitarre spielen, meint Alfred. In dieser Szene glaubt Sebastian bereits, seine Sünden auf anderem Wege beglichen zu haben und sagt daher zu seinem Auftrittangebot: „Aber des brauchst doch gar nimma.“ 

Alfred: „Des kann ma sich net aussuacha.“

Filmtipp sehen & mehr erfahren

Im (sehr guten) Talkformat vom Bayerischen Rundfunk erfahren Sie einiges zum Lebensweg von Marcus H. Rosenmüller – und das sogar von ihm persönlich erzählt.

Wer früher stirbt ist länger tot können Sie bei Amazon für kleines Geld sehen.

Sommer in Orange gibt es für Prime Mitglieder derzeit umsonst.

Rosenmüllers neuster Film Beckenrand Sheriff soll im Herbst 2021 erscheinen.

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Lea Biermann

Lea Biermann

Redaktion

Seit vielen Jahren schreibt Lea für Redaktionen & Unternehmen.
Bei Glücksmomente Charmingplaces erzählt Lea am liebsten über Menschen und ihre Leidenschaft, sowie Bücher oder Filme, die direkt ins Herz gehen.

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