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Sylt

Friesenhäuser auf Sylt – eine Zeitreise

mit Keine Kommentare von Lea Biermann Keitum
Sylt Friesenhäuser

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Titelbild: © Monika Goecke

Die weißgetünchten Backsteinmauern ducken sich unter dem großen Schilfdach, immer wieder blinzelt gemütliches Licht zwischen den weißen Fensterkreuzen hervor. Obwohl die Dämmerung bereits hereingebrochen ist, leuchtet die Blütenpracht der Vorgärten, die über die niedrigen Steinmauern wachsen. Die Laterne vor einer grünen Haustür malt flackernde Punkte in die Schatten. Am frühen Abend wirkt Keitum aus der Zeit gefallen, würde die Dame auf dem Fahrrad dort nicht Turnschuhe tragen.

Für diese malerische Kulisse verantwortlich ist, dass in Keitum ein nordfriesisches Bauzeugnis neben dem nächsten steht. Uthlandfriesisches Haus, oder kurz Friesenhaus, so werden die Häuser auf Sylt gemeinhin bezeichnet, auch wenn sie je nach geografischer Lage viele Namen tragen. Geesthardenhaus, Cimbrisches Haus, Schleswiger Haus, Gulfhaus oder Hallenhaus. Ein typisches Sylter Friesenhaus hat aber ein markantes Markenzeichen, ohne dass es sich wohl kaum so nennen dürfte: Das ausladende Schilfdach. Auch weil es Ortsteile auf Sylt gibt, in denen bis heute nur erlaubt ist, Reetdächer zu bauen.

  • Sylt Friesenhaus
    © Monika Goecke
  • Sylt Friesenhaus
    © Monika Goecke

Viele Häuser in Keitum wurden im Laufe des 18. Jahrhunderts errichtet, als sich wohlhabendere Kapitänsfamilien in dem damaligen Hauptort von Sylt niederließen. Stolz verkünden bis heute große Jahreszahlen an der Fassade das Baujahr und damit ein Stückchen Inselgeschichte. Diese wurde seither weitergeschrieben. Die wenigsten Häuser sind noch im ursprünglichen Zustand. Hier und da taucht eine Dachgaube auf, die in der eigentlichen Bauweise nicht vorgesehen sind. Und obwohl Friesenhäuser sich vor allem durch ihren robusten Widerstand gegen das raue Nordseewetter auszeichnen, muss hier und da über die Jahre hin gerettet oder ersetzt werden.

Typische Merkmale für ein Sylter Friesenhaus sind der niedrige, lange Bau, der zum Windschutz stets mit dem Dachfirst nach Osten oder Westen zeigt. An dieser langen Seite befinden sich ungewöhnlicherweise meist die Eingangstüren, über denen ein schmal gebauter, sogenannter Zwerchgiebel thront. Das Fundament wurde früher aus Feldsteinen gelegt, das Gemäuer aus Backsteinen gebaut und das große Dach zusätzlich von hölzernen Stützen getragen. In den älteren Häusern ist es möglich, dass ein alter Schiffsmast oder Schwemmholz hierfür verwendet wurde, weil auf der baumlosen Insel das Material fehlte.

Das Reetdach wird wiederum in mehreren Schichten Schilf bündelweise genäht, gebunden oder genagelt. Diese Schilfdächer sorgen für gute Isolation im Sommer  wie im Winter und können bei fachmännischer Ausführung (und je nach Bauweise) über 100 Jahre alt werden.

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Neben ihrer äußeren Bauweise ähnelt sich auch die ursprüngliche Ausstattung der Friesenhäuser. Herzstück war stets der als Döns bezeichnete Wohnraum, in dem gegessen, geschlafen und häusliche Arbeit verrichtet wurde. Abgetrennt davon war die Küche, von deren offenem Herd aus auch der Ofen im Wohnraum (genannt Bilegger) geheizt wurde. Den Döns schütze man so vor Rauch und Ruß. Die Betten, genannte Alkoven, waren in die Zwischenwände eingelassen. Es heißt, der so gesparte Platz soll dadurch möglich gewesen sein, da die Menschen im Sitzen schliefen. Angeblich auch aus dem Aberglauben, dass einen im Schlaf der Tod eher ereilt.

Je nach Größe oder Bewohner*innen waren noch Stallungen oder sogenannte Pesel, eine Art „gute Stube“ in den Häusern untergebracht. Charakteristisch sind außerdem die mit Fliesen verkleideten Wände, die oft mit lila oder blauen Szenerien oder Geschichten aus dem Alltag mit hübschen Mustern bemalt sind.

  • Sylt Friesenhaus
    © Monika Goecke
  • © Sölring Museum | Roman Matejov
    © Sölring Museum | Roman Matejov

In den Friesenhäusern heute findet man auf Sylt selten Spuren dieses einstigen Lebens - mit einer besonderen Ausnahme. Das Altfriesische Haus, Baujahr 1640, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Heimatverein Söl’ring Foriining erworben und seitdem als Museum gepflegt. Dazu zählt nicht nur die äußere Baustruktur, sondern auch das Innenleben, das für die typische Lebensart steht. Neben den Wohnräumen erzählen auch das Mobiliar und Gebrauchsgegenstände über das „alte“ Leben auf Sylt.

Mehr über Friesenhäuser erfahren

Das Altfriesische Haus besichtigen. Führungen werden auch angeboten.

Finja, die als Fräulein Sylt, über die Insel erzählt, zeigt hier bereits in tollen Fotografien einige Einblicke in das Museum und die friesische Lebensart.

In Keitum selbst finden Gäste außerdem zahlreiche Infotafeln vor alten Häusern zu deren Geschichte. Geführte Ortserkundungen gibt es auch.

Lea Biermann

Lea Biermann

Redaktion

Seit vielen Jahren schreibt Lea für Redaktionen & Unternehmen.
Bei Glücksmomente Charmingplaces erzählt Lea am liebsten über Menschen und ihre Leidenschaft, sowie Bücher oder Filme, die direkt ins Herz gehen.

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